Umweltfreundlich Kaffee aus der Holzkapsel

Ulm / Simone Dürmuth 23.05.2018
Kapselkaffee produziert viel Müll. Studenten aus Stuttgart und eine Rösterei aus Kißlegg wollen das gemeinsam ändern.

Ein warmer, wohliger Kaffeeduft schlägt dem Besucher entgegen, wenn er die Rösterei Cafésito in Kißlegg (Landkreis Ravensburg) betritt. Die Rösterei wird von den Oberschwäbischen Werkstätten (OWB) betrieben, hier arbeiten vor allem Menschen mit Behinderungen. Von hier aus soll der Markt mit den Kaffeekapseln aufgerollt werden. Denn gemeinsam mit den OWB will das Start-up Rezemo aus Stuttgart Kaffee in umweltfreundlichen Kapseln auf den Markt bringen.

Eine Geschäftsidee mit Wachstumspotential. Denn der Kapselverbrauch in Deutschland wächst rasant: von 800 Tonnen im Jahr 2005 auf rund 20.600 Tonnen 2015. Am Gesamtverbrauch macht das nur etwa 5 Prozent aus. Weil der Kaffee in Kapseln aber so teuer ist, entspricht das dem Wert nach eher 20 Prozent. Doch der Trend  hat eine große Schattenseite: 2015 wurden in Deutschland so 5000 Tonnen  Kapselmüll produziert. Das hat die Stiftung Warentest hochgerechnet.

Dieser Müllberg treibt auch die Gründer Stefan Zender und Julian Reitze um. „Als Studenten hatten wir eine Nespresso-Maschine. Eines Tages hatten wir uns gefragt, was eigentlich mit dem ganzen Kaffeesatz aus den Kapseln passiert.“ Das war 2015.

Wenig später sei dann die Idee entstanden, an der Verpackung etwas zu ändern. „Aluminium ist einfach nicht der geeignete Werkstoff für ein Wegwerfprodukt.“ Warum gerade Holz? „Deutschland ist ein Waldland“, erklärt Zender. Der Rohstoff ist also leicht verfügbar und außerdem klimaneutral.

Aber so schnell die Idee geboren war, so lange dauerte es, bis sie einsatzfähig wurde. Gemeinsam mit der Universität in Stuttgart und dem Fraunhofer Institut IPA begann die Tüftelei. Nach vielen Versuchen, drei Jahren Entwicklungszeit und vielen Rückschlägen, zum Beispiel in Form von verkohlten Kapseln, dann das Ergebnis: Holzspäne als Hauptbestandteil werden mit einem vollständig abbaubaren Bio-Kunststoff gemischt. Die Holzspäne kommen von der Schwäbischen Alb, ein Abfallprodukt aus einem Sägewerk. Die Masse wird dann  im Spritzgussverfahren geformt.

Bereits kurze Zeit nach dem Brühen beginnt der Zersetzungsprozess, die Kapsel wird langsam brüchig. Nach dem Kontakt mit dem warmen Wasser beginnt sich die Kapsel langsam aufzulösen, so dass man sie in den Biomüll oder Kompost werfen kann. Wer mag, kann die Kapseln auch in den heimischen Ofen werfen.

Jetzt sollte in die umweltfreundlichen Kapseln auch noch umweltfreundlicher Kaffee. Hier kommt die OWB und Geschäftsführer Egon Streicher ins Spiel. Den Kaffee aus der Cafésito-Rösterei gab es bisher nicht in Kapseln. Auch wenn es einige Ideen gab. „Aber die Lösungen passten nicht zu uns“, so Streicher. Ökologisch und sozial nachhaltig sollte nicht nur der Kaffee aus Kißlegg sein, sondern auch seine Verpackung. Genau die Nische von Rezemo. Streicher ist begeistert vom Produkt das die Studenten entwickelt haben.

Im Januar dieses Jahres haben die beiden Partner die ersten 30.000 Kapseln produziert, sie sind bereits vergriffen, weitere Chargen wurden produziert. 5,99 € kostet eine Packung mit 14 Kapseln. Andere Hersteller rufen  ähnliche Preise auf.

Bislang ist nur eine Sorte im Handel, ein Espresso. Zwei weitere stehen in den Startlöchern. „Es gibt einiges zu testen“, erklärt Zender. Dazu zählen Röstgrad, Mahlgrad und Sorte, aber auch die Menge, die in die Kapsel kommt, und wie stark sie dort verdichtet wird. Bis zu einem halben Jahr kann die Entwicklungsphase dauern. Entschieden wird am Ende per Blindverkostung.

An der nehmen natürlich auch die Gründer selbst teil. Bis zu vier Tassen Kaffee trinke er am Tag, berichtet Zender. „Inzwischen auch Espresso.“

Nespresso sammelt ein

Der Marktführer Nespresso bemüht sich ebenfalls um Umweltfreundlichkeit: In der Schweiz sammelt das Unternehmen die Kapseln zum Recycling ein, zum Beisiel in den eigenen Läden. Sprecherin Katherine Graham schätzt, dass dort 50 Prozent recycelt werden.

In Deutschland gehören die Kapseln in den Gelben Sack. Wie viele dort landen, ist nicht bekannt.

Das recycelte Aluminium fände sich in Autos, Fahrrädern, Trinkdosen, Computern und teils neuen Nespresso-Kapseln wieder, so der Hersteller. mone

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