Schlecker-Prozess Jetzt wird es eng

Simone Dürmuth,Redakteur SWP,Autorenfoto 2016
Simone Dürmuth,Redakteur SWP,Autorenfoto 2016 © Foto: Hörger Marc Marc Hörger
Ulm / Simone Dürmuth 12.08.2017

Nur zwei Mal hat sich Anton Schlecker im Prozess gegen ihn zu Wort gemeldet. Beide Male war die Stoßrichtung die selbe: Er habe immer geglaubt, dass sein  Unternehmen eine Zukunft hat. Er habe nie mit der Insolvenz gerechnet. Wer den 72-Jährigen im Lauf des Prozesses miterlebt, ist geneigt, ihm zu glauben. Er ist ein schwäbischer Unternehmertyp vom alten Schlag: Er sagt, wo es lang geht, lässt sich nicht reinreden.

Insgesamt soll Schlecker rund 25 Millionen Euro dem Zugriff der Gläubiger entzogen haben. Viele der Anklagepunkte betreffen Schenkungen an die Enkel und ähnliche Zuwendungen. Die meisten von ihnen dürften am Ende des Prozesses kaum noch eine Rolle spielen. Trotzdem wird es jetzt eng für den gefallenen Drogeriemarktkönig, der Chefermittler der Ermittlungsgruppe „Watte“ belastet ihn schwer: Noch kurz vor der Insolvenz sei Geld an die Firma der beiden Kinder geflossen. Das stützt den Vorwurf des vorsätzlichen Bankrotts.

Die Strategie der Verteidigung fußte bislang auf der Prämisse, dass Schlecker nicht mit der Insolvenz rechnete und darum auch nicht vorsätzlich Geld beiseite schaffen konnte. Doch die letzte Zahlung, von der der Chefermittler berichtet, floss einen Tag vor der Anmeldung der Insolvenz. Unwahrscheinlich, dass Anton Schlecker zu diesem Zeitpunkt noch immer nicht an die Pleite glaubte.

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