Tübingen Interview: "Ich wünsche mir keine Einmischung der Politik"

SWP 12.04.2014

Was hat sich im Gewerbe am meisten verändert? Die Qualität hat sich enorm verbessert. Wir haben am Anfang noch unter den Nachkriegswirren gelitten. Man hatte wahnsinnig Hunger. Das größte Schnitzel war das allerbeste. Hauptsache viel und fett, war die Devise. Noch in den 70er Jahren wurde viel Mehl verwendet, die Produkte wurden gestreckt. Das alles hat sich verändert. In der Zwischenzeit legen die Menschen Wert auf erstklassiges Essen, nicht so sehr auf die Größe der Portion. Das halte ich für eine wichtige Errungenschaft.

Wie stehen Sie zum Mindestlohn? Wir werden im Westen weniger Probleme mit dem Mindestlohn bekommen - aber im Osten. Die Tariflöhne dort liegen teilweise noch ein wenig unter 7,50 Euro. Die Betriebe brauchen Zeit, um aufzuholen. Sie können einen Mindestlohn in der angestrebten Größenordnung nicht leisten. So steigt zum Beispiel die Gefahr der Schwarzarbeit. Zudem sind die Deutschen sehr preissensibel. Wenn Gastwirte durch den Mindestlohn ihre Preise erhöhen, dann kommen weniger Kunden. Was sind die Konsequenzen? Entlassung von Mitarbeitern, Schließung eines Betriebes oder ein Unternehmer arbeitet bis an den Rand der Selbstausbeutung. Grundsätzlich: Ich wünsche mir keine Einmischung der Politik. Tariflöhne sind Aufgabe der Arbeitgeber, Verbände und Gewerkschaften. Natürlich wollen wir die Mitarbeiter ordentlich bezahlen, aber verordnete Mindestlöhne sind der falsche Weg.

Es wird immer wieder über die reduzierte Mehrwertsteuer für Hotelbetriebe diskutiert. Was denken Sie? Das war unser größter Erfolg. 24 Länder in Europa haben eine reduzierte Mehrwertsteuer. Und Hotels sind nun mal im internationalen Geschäft tätig. Die Reduzierung im Jahr 2010 hat einen großen Investitionsschub gebracht. Die Branche hat als Reaktion seitdem deutlich über eine Milliarde Euro investiert. Es war wirklich eine wachstumsbeschleunigende Maßnahme. Zuvor herrschte in diesem Bereich großer Nachholbedarf. Viele Hotels wären sonst in die Insolvenz gegangen. Würde die Reduzierung rückgängig gemacht werden, wäre das eine sehr schlimme Situation. Auch die Banken würden sich anders verhalten. Übrigens: Ich finde, auch die Gastronomie hätte einen reduzierten Steuersatz verdient. Dafür kämpfen wir mit Nachdruck. cast

Butter zu den Kartoffeln