New York Insider-Einblick: "Ratings werden missbraucht"

DPA 14.07.2012

Dieses knapp siebenminütige Fernsehinterview dürfte in den Chefetagen der Rating-Agenturen einschlagen wie eine Bombe: Mit David Jacob gab ein Insider Einblicke in eine sonst verschlossene Branche. "Ratings werden missbraucht, sie beinhalten nicht alle Risiken", sagte der ehemalige Abteilungsleiter beim Marktführer Standard & Poors auf dem US-Wirtschaftssender Bloomberg TV.

"Das größte Problem, dem wir gegenüberstehen, sind fehlende Standards", erläuterte Jacob, der nach Angaben des Senders im Dezember gefeuert worden war. "Wenn man sagt, etwas ist "Triple-A" und drei verschiedene Leute meinen etwas anderes damit, dann führt das zu Fehlverhalten." Das "Dreifach-A" ist die beste Bonitätsnote, die die führenden Agenturen Standard& Poors, Moodys und Fitch vergeben. Jacob monierte, dass die Anbieter unterschiedliche Kriterien anlegten. "Man endet damit, dass die Ratings eingekauft werden", warnte Jacob. "Es fühlt sich nicht richtig an, wenn jemand seine Ratingagentur danach aussuchen kann, dass er einfacher an ein Rating herankommt."

Typischerweise zahlen Unternehmen und Länder dafür, dass ihre Kreditwürdigkeit benotet wird. "Ich möchte aber sehr klar sein: Ratingnoten sind ein Geschäft. Marktanteile sind wichtig." Besonders die Abstufung von Euro-Ländern hatte zu wachsender Kritik an den Rating-Agenturen geführt.