Früher musste man bei Bosch eine gute Kondition mitbringen: „Unsere Instandsetzer haben beinahe Kilometergeld bekommen“, erzählt Stefan Aßmann scherzhaft. Mehrere Kilometer sei die werks­interne Reparatur-Truppe durch das Feuerbacher Werk des Automobilzulieferers gelaufen, um zur kaputten Maschine zu gelangen.

Mit der Digitalisierung hat sich das geändert, erklärt Aßmann, der im Bosch-Konzern die „Connected Industry“, also die vernetzte Industrie, leitet. Denn die Instandsetzung kommt nur noch in schweren Fällen. Ansonsten hilft ein elektronisches Helferlein, ein schwarzes Tablet, gerade einmal so groß wie ein DIN-A4-Blatt Papier. Darauf sind alle Informationen gespeichert, die früher in dicken Ordnern in den Büros der Reparatur-Mannschaft lagerten.

Der Umgang ist kinderleicht

Über das Tablet können nicht mehr nur die gelernten Reparateure auf die Daten zugreifen, sondern auch die ganz normalen Mitarbeiter in der Fertigung, die die Maschine bedienen. Der Umgang ist kinderleicht, zeigt Gregor Körkel, der im Bosch-Werk in Stuttgart-Feuerbach der Herr über die Industrie 4.0 ist: Auf jeder Maschine in der Fertigungshalle ist ein sogenannter QR-Code aufgedruckt. Der wird mit dem Tablett gescannt, das dann sofort die ersten Tipps zur Reparatur der Maschine gibt.

Hilft auch das nichts, kann über das kleine schwarze Helferlein der Reparatur-Trupp angefordert werden – der dann auch gleich noch ein paar Bilder vom Schaden bekommt. „Die Bildinformation ist Gold wert“, sagt Körkel. 80 Prozent der benötigten Informationen würden über das Bild an die Techniker übermittelt, die dann gleich mit dem richtigen Werkzeug und den Schaltplänen anrücken.

„Früher sind die Kollegen erst mal gucken gekommen und dann wieder zurück ins Büro gelaufen, um nach den Plänen und der richtigen Reparatur zu schauen“, sagt Körkel. Das kostete Zeit – und auch bares Geld: „Jede Minute, die unsere Maschinen stillstehen, kostet verdammt viel Geld!“, sagt Körkel. Seit Anfang dieses Jahres wird die smarte Technik deswegen im gesamten Bosch-Kosmos verteilt.

Wie viel Geld der Automobilzulieferer durch die intelligente Vernetzung einsparen kann, erläutert Chef-Vernetzer Stefan Aßmann am Beispiel der Bremsregelsysteme ABS und ESP. Weltweit fertigt Bosch in elf Werken die Sicherheitssysteme für Autos, insgesamt 26 Mio. Stück verlassen die Fabriken pro Jahr. Die 5000 Maschinen, die in der Fertigung auf dem Globus verteilt eingesetzt werden, sind digital miteinander verbunden.

Wenn ein Maschinenführer irgendwo auf der Welt eine kleine Optimierung vornimmt, erfahren auch die Kollegen in den anderen Werken davon und können nachziehen. Innerhalb von fünf Jahren konnte Bosch so die Produktivität der Maschinen fast verdoppeln. „Mit den gleichen Maschinen und den gleichen Mitarbeitern“. Bis 2020 rechnet Bosch mit Einsparungen von rund 1 Mrd. € und noch einmal weiteren 1 Mrd. € Einnahmen durch den Verkauf der Technologie an andere Unternehmen.

Verbunden sind die Maschinen mit dem Netzwerk aber noch deutlich grundlegender. Minutengenau wird etwa erfasst, wie viel Strom eine Maschine verbraucht. Auf einem großen Bildschirm lässt sich ablesen, dass in der einen Fertigungsreihe 70 Kilowatt verbraucht werden, um 21 Diesel-Einspritzpumpen zu produzieren. In der Nachbarreihe sind für 31 Stück nur 66 Kilowatt nötig. „Diese Unterschiede muss man analysieren und zur Optimierung nutzen“, erklärt Körkel.

Und auch einen Blick in die Zukunft bietet die Vernetzung: Sensoren erfassen Schwingungen in einigen Zerspanungsmaschinen. Nimmt die Vibration zu, kann man davon ausgehen, dass ein Bauteil zu verschleißen beginnt. So kann die Maschine repariert werden, bevor sie ausfällt – und das Unternehmen „verdammt viel Geld“ kostet.

Prominente Gäste in Ludwigshafen


Mit dem Motto „vernetzt besser leben“ befasst sich der Digitalgipfel der Bundesregierung am kommenden Montag und Dienstag in Ludwigshafen. Auf dem Programm steht die Entwicklung digitaler Technologien für Wirtschaft, Verwaltung und Gesundheit.

Die Gästeliste ist prominent besetzt. So haben sich neben Bundeskanzlerin Angela Merkel und mehreren Bundesministern auch führende Landespolitiker aus Rheinland-Pfalz, Hessen und Baden-Württemberg angekündigt.

Seit 2006 treffen sich Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft, um über die Stärkung des IT-Standorts zu sprechen.  dna