Ausbildung Ausbildung: Im Nachbarland fürs Leben lernen

Berlin / Moritz Hagemann 23.01.2018
Deutschland und Frankreich wollen den Austausch von Lehrlingen voranbringen. Das Programm „Erasmus Pro“ soll helfen.

Alicia Schneider würde es jederzeit wieder machen: „Die Ausbildung in Deutschland bietet mir so viele Chancen im späteren Leben“, sagte die 20-Jährige aus der grenznahen französischen Kleinstadt Schoeneck. Sie arbeitet in der Nähe von Saarbrücken als Einzelhandelskauffrau in einem Möbelgeschäft. Es sei interessant zu sehen, dass sich hierzulande „durch die Arbeit auch Freundschaften entwickeln“. In Frankreich ergebe sich mit den Kollegen „ein Arbeitsfeeling, mehr aber auch nicht“.

Die gleichaltrige Ronja Schwarze ging den anderen Weg von Berlin nach Paris. Zunächst als Au-pair, dann im Rahmen ihrer Ausbildung zur Konditorin. Ihr Chef sei normal nicht sehr offen für Neues. „Aber er hat sich doch dafür interessiert, was ich in Frankreich gelernt habe“, erzählt sie. Neben dem Handwerk sei das vor allem die Sprache gewesen. Deswegen rate sie allen Auszubildenden, diese Möglichkeit anzunehmen. „Obwohl ich weiß, dass viele nicht wissen, dass es so etwas gibt und wie einfach es ist.“

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron legt großen Wer darauf, dass die Auszubildenden mobiler werden. Er will auf diese Weise die Zusammenarbeit mit Deutschland intensivieren. Das signalisierte auch die deutsche Regierung im Rahmen des 55. Jahrestags des Élysée-Vertrages. Für die belgische EU-Kommissarin für Soziales und Bildung, Marianne Thyssen, sind die beiden Nationen mit ihrem Engagement der Motor der EU, der unerlässlich für den Arbeitsmarkt des 21. Jahrhunderts sei.

„Ich glaube, dass wir Stipendien für Europa mehr brauchen als die ganz großen Agrarsubventionen“, sagte Bundesarbeitsministerin Katarina Barley (SPD) am Montag in Berlin. Gerade die jüngere Generation müsse Freundschaften pflegen und den Frieden wahren, „denn der ist nicht selbstverständlich“, sagte Barley. Aktuell seien 4,5 Prozent der deutschen Auszubildenden international unterwegs. Bis 2020 soll diese Quote auf zehn Prozent ansteigen. Schon 2015 wurde deshalb das Programm „Erasmus Pro“ ins Leben gerufen. Dadurch erhoffen sich die Politiker eine Minderung der Jugendarbeitslosigkeit in Europa. Aktuell nehmen etwa 9 Mio. Europäer an den Erasmus-Programmen teil.

Im Rahmen der Veranstaltung zur Förderung der Mobilität machte der französische Europapolitiker Jean Arthuis deutlich, wie Hindernisse ausgeräumt werden sollen. Bei Alicia Schneider war unter anderem das französische Diplom in Deutschland nicht anerkannt worden. „Es bedarf struktureller Reformen, die unsere Länder so unerlässlich brauchen“, sagte Arthuis. Dazu gehöre auch eine Aufstockung der finanziellen Mittel für Erasmus in den kommenden EU-Haushalten, eine Schaffung einer Koordinationsstelle innerhalb der Kommission sowie ein Ausbau des Sprachunterrichts in den Berufsschulen. Für Arthuis sollten Auslandsaufenthalte außerdem „nicht nur drei, sondern mindestens sechs Monate“ andauern.

Klaus Fahle, Geschäftsführer der Nationalen Agentur Bildung für Europa, forderte vor allem Mut: „Ich muss überhaupt kein Französisch können, um nach Frankreich zu gehen.“ Das könne man im Land, auch mit Förderungen, lernen. Mut hatte auch die 21-jährige Ariane Tamalet. Sie kam zum Jurastudium von Paris nach Berlin. Und lebt heute dort. „Die Integration war nicht einfach“, sagte sie. „Aber ich lebe meinen Traum im Ausland zu wohnen.“

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