Stuttgart / AMB/DPA  Uhr
Überraschung in Stuttgart bei der IHK-Wahl: Der amtierende Präsident Herbert Müller kann sich nicht durchsetzen. Seine Kritiker triumphieren.

Der Stuttgarter IHK-Präsident Dr. Herbert Müller wird der neuen Vollversammlung nicht mehr angehören. Zum ersten Mal verpasst damit ein amtierender IHK-Präsident den Wiedereinzug in das Gremium. Müllers Scheitern hat direkt mit dem Erfolg der IHK-Rebellen zu tun, die sich in einer Initiative namens Kaktus zusammengeschlossen haben. Sie kamen auf 22 der 100 Sitze der Vollversammlung. Insgesamt hatten sich 168 Frauen und Männer beworben.

In Müllers Wahlschlappe sehen die Kammerkritiker "ein Symbol für den dringend notwendigen Umbruch in der IHK Stuttgart". Müller, der Bevollmächtigter der Unternehmensberatungsgesellschaft Ernst & Young ist, zeigte sich enttäuscht über das Ergebnis.

Er verpasste den Einzug in das Gremium denkbar knapp, letztlich fehlten ihm 60 Stimmen. In seiner Berufsgruppe "Sonstige Dienstleistung" hätte er mindestens auf Platz zehn kommen müssen, schaffte es aber nur auf Platz 11. In dieser Berufsgruppe, in der es auch viele kleinere Firmen gibt, hatten 1600 von 17 000 Unternehmen abgestimmt. Insgesamt waren 160 000 Mitgliedsbetriebe wahlberechtigt.

Noch kann Müller aber nachrücken, wie Hauptgeschäftsführer Andreas Richter sagte: "Rein rechtlich kann der Präsident auch aus dem Kreis der Zugewählten kommen." Bis zu 20 Vertreter dürfen nachträglich in das Gremium berufen werden, wenn einzelne Branchen und Regionen darin nicht hinreichend vertreten seien. Sollte Müller es nachträglich hinein schaffen, stünde er genauso wieder zur Wahl wieder jedes andere Mitglied auch - und könnte erneut IHK-Präsident werden. Die neue Vollversammlung wird sich wohl im Februar konstituieren. Sie ist das Entscheidungsgremium der IHK. Ihr obliegt unter anderem das Budgetrecht, die Ausrichtung des Dienstleistungsangebots und die Festlegung politischer Positionen.