Stuttgart IHK-Chef Kulitz: Integration statt Mindestlohn

Stuttgart / ANDREAS BÖHME 28.08.2015
Baden-Württembergs Wirtschaft sagt: Flüchtlinge, die arbeiten wollten, sollten nicht daran gehindert werden - trotz Mindestlohns.

Die rasche und erfolgreiche Integration von Flüchtlingen hängt nicht zuletzt am Arbeitsmarkt. Für die Qualifizierten hat das Handwerk ein System entwickelt, um ausländische Abschlüsse anzuerkennen. Für die weniger gut Ausgebildeten fordert die IHK, den Mindestlohn aufzuweichen.

Asylbewerber, die für ein paar Euro den Garten aufräumen oder im Haushalt helfen? Dabei könnten beide profitieren: Die Arbeitgeber, weil sie preiswerte Hilfe bekäme und die Zuwanderer, die aus der Langeweile der Sammellager herausfänden und erste Kontakte zur Bevölkerung knüpfen könnten.

Für Peter Kulitz, Präsident des Dachverbandes der südwestdeutschen Industrie- und Handelskammern, wird dies aber vom Mindestlohn ausgebremst. Dieser sei vielen potenziellen Arbeitgebern zu hoch und die Dokumentationspflichten zu weitgreifend.

Kleine Haushaltsjobs auf Stundenbasis böten beste Chancen auf eine anschließende qualifizierte Arbeit oder eine duale Ausbildung, glaubt Kulitz. Die Politik müsse abwägen, worauf sie mehr Wert legt: Mindestlohn oder Integration. Er fordert, den Mindestlohn für Flüchtlinge zumindest auszusetzen.

Für die Anerkennung von ausländischen Berufsabschlüssen haben die IHK schon länger eine zentrale Stelle geschaffen, die Fosa. Sie nimmt Anträge entgegen, führt die Verfahren durch und stellt offizielle und rechtssichere Gleichwertigkeitsbescheide aus, mit denen sich die Antragsteller auf dem Arbeitsmarkt bewerben können.

Allein die IHK der Region Stuttgart hat bereits 350 derartige Verfahren betrieben. Laut Hauptgeschäftsführer Andreas Richter können ausländische Fachkräfte sich mit der Anerkennung für Jobs bewerben, die ihren eigentlichen Qualifikationen entspricht. Seit 2012, als der Bund das so genannte Anerkennungsgesetz erließ, hat die Fosa rund 10 000 Anträge erhalten, 1600 davon aus Baden-Württemberg. Die meisten Antragsteller kommen aus Polen, Russland und der Türkei.

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