Thyssenkrupp IG Metall befürchtet die Zerschlagung

Scheidet nach sieben Jahren aus: Heinrich Hiesinger.
Scheidet nach sieben Jahren aus: Heinrich Hiesinger. © Foto: Rolf Vennenbernd/dpa
Essen / dpa 07.07.2018

Nach dem Ausscheiden von Thyssenkrupp-Chef Heinrich Hiesinger verschärft sich die Debatte über eine Neuausrichtung des Mischkonzerns. Konzernbetriebsratschef Wilhelm Segerath warnte vor einer Zerschlagung und einem Ausverkauf des Dax-Konzerns auf Druck von Anteilseignern. Er sehe die Gefahr, dass der Rest des Mischkonzerns von Finanzinvestoren zerschlagen werde, sagte Segerath mit Blick auf die Sparten Stahl, Aufzüge, Anlagenbau, Komponentenfertigung und Werkstoffhandel.

Der Aufsichtsrat nahm gestern das Rücktrittsgesuch Hiesingers an. Zudem bat das Gremium die verbliebenen Vorständen, den Konzern ohne Vorsitzenden zu führen. An der Börse hatte der Kurs des Konzerns  zuvor bereits deutlich zugelegt. „Nun besteht die Chance, eine neue Strategie zu entwickeln, den Konzernumbau voranzutreiben und damit den Konzern neu auszurichten. Der Nachfolger sollte daher auch eine neue Perspektive einbringen und nicht an der bestehenden Strategie festhalten“, sagte Fondsmanager Ingo Speich von Union Investment.

Hiesinger, der aus einer Bauernfamilie aus Benzenzimmern (Ostalbkreis) stammt, hatte vor seinem überraschend angekündigten Ausstieg für die nächste Woche nur eine Schärfung der bestehenden Strategie angekündigt, die unter anderem einen Erhalt des Konzerns als Ganzes vorsah. Mit der Fusion mit dem Stahlunternehmen Tata hatte der Konzernchef zuvor die Grundlage für eine Neuausrichtung geschaffen.

In einem Brief an die Mitarbeiter begründete der Manager seine Entscheidung damit, eine „grundsätzliche Diskussion“ über die künftige Entwicklung des Konzerns ermöglichen zu wollen: „Das gemeinsame Verständnis von Vorstand, Aufsichtsrat und wesentlichen Aktionären über die strategische Ausrichtung von Thyssenkrupp war für mich eine wichtige Voraussetzung, um als Vorstandsvorsitzender Thyssenkrupp erfolgreich zu führen.“

Laut Thomas Hechtfischer von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz gab es schon länger Unstimmigkeiten im Aufsichtsrat. Dies sei ein möglicher Grund dafür, dass die Vorlage einer neuen Strategie immer wieder verschoben worden sei. Interessant sei nun die Haltung der Krupp-Stiftung, der größten Anteilseignerin des Konzerns. Bislang sei man davon ausgegangen, dass es Auftrag der Stiftung sei, die Einheit des Konzerns zu bewahren, während der zweitgrößte Aktionär Cevian die Strategie offen kritisiert habe. Hiesinger habe den Rückhalt der Stiftung vermisst, berichtet die „Rheinische Post“ aus Konzernkreisen. Eine Sprecherin der Stiftung kommentierte das nicht.  

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