Hamburg HINTERGRUND: Die Baustellen des Konzerns

Hamburg / THOMAS VEITINGER 16.05.2013
Die neue S-Klasse ist für Daimler so wichtig, weil in jüngster Zeit nicht alles rund lief. Für Chef Dieter Zetsche hängt viel ab vom Erfolg des Luxusautos.

"Das Beste oder nichts" heißt bekanntlich der Slogan von Daimler. Möglicherweise könnte es auf Zweiteres für Dieter Zetsche hinauslaufen. Der Konzern-Lenker steht unter Beschuss, manche Experten betrachten ihn als angezählt. Die Gründe sind unter anderem zwei Gewinnwarnungen des Konzerns: Die Geschäfte laufen schlechter als prognostiziert. Damit ist Daimler zwar nicht alleine. Aber die Untertürkheimer sind auch in diesem Jahr unglücklicher gestartet als etwa die Konkurrenten Audi und BMW.

Zwar fährt Daimler im Luxussegment immer noch voraus: 2012 kam die S-Klasse mit 65 000 ausgelieferten Fahrzeuge auf den Spitzenplatz vor dem 7er BMW mit 59 000 und dem Audi A8 mit 38 000 verkauften Autos. Über alle Modelle hinweg liegen BMW und Audi jedoch vorne. Vor allem verdienen sie besser an ihren Fahrzeugen: 2012 lag die operative Rendite bei Mercedes bei 7,1 Prozent. BMW kam allerdings auf 10,9, Audi sogar auf 11 Prozent. Ein Grund für diese Differenz ist die hohe Fertigungstiefe von Daimler.

Die S-Klasse ist seit 40 Jahren nicht nur der Markenkern, sondern soll zwischen 30 und 50 Prozent Bruttogewinn pro verkauftem Wagen bringen. Das Luxus-Auto könnte bei der Aufholjagd auf BMW und Audi wesentlich helfen. Zetsche will bis zum Ende des Jahrzehnts die Nummer 1 in dem Triumvirat werden.

Doch der einst wegen seiner Nähe zur Belegschaft gelobte Daimler-Chef verliert zunehmend das Vertrauen der Basis und des Managements. So hat der Widerstand der Arbeitnehmervertreter dazu geführt, dass sein Vertrag nicht wie üblich um fünf, sondern nur um drei Jahre verlängert wurde. Das ist ein Misstrauensvotum. Der Aktienkurs ist seit längerem mau. Auf dem wichtigen chinesischen Markt verkauft Daimler weitaus weniger als die Konkurrenten aus Bayern. Experten sprechen von "einer verlorenen Dekade" bei Daimler und bescheinigen dem einstigen Chrysler-Chef mindestens Glücklosigkeit.

In jüngster Zeit kam ein Crashtest beim Transporter Citan hinzu, der schlecht ausfiel. Bei aller Freude über die neue S-Klasse gibt es bei dem Stuttgarter Konzern daher auch besorgte Mienen.