Von diesem Montag an ist es  Verbraucher einfacher, beim Fleisch-Einkauf die Haltungsbedingungen der Tiere zu erkennen. Die großen Supermarktketten wie Edeka, Rewe, Aldi und Lidl führen offiziell eine einheitliche Kennzeichnung auf Verpackungen für Rind- und Schweinefleisch sowie Geflügel ein.

Handel bringt Logo vor offiziellem Start

Das neue Logo mit der Aufschrift „Haltungsform“ soll Kunden auf einen Blick informieren, wie die Schlachttiere gelebt haben – mit vier Stufen, die mit dem gesetzlichen Mindeststandard beginnen. Damit kommt der Handel dem von Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) geplanten staatlichen Label zuvor, das von 2020 an bessere Tierwohl-Bedingungen anzeigen soll.

Deutschlands größter Lebensmittelhändler Edeka hat bereits seit seit Mitte März begonnen,  seine Eigenmarkenartikel für Fleisch und Wurst schrittweise mit der neuen Kennzeichnung  zu versehen. Von diesem Montag an soll ein Großteil aller Selbstbedienungsartikel damit erhältlich sein. Auch Rewe, Aldi und Lidl haben mit der Umstellung auf das einheitliche Label schon vor dem offiziellen Starttermin begonnen.

Was zeigt die neue Kennzeichnung?

Das System sieht vier Stufen vor: Die erste Stufe „Stallhaltung“ entspricht den gesetzlichen Anforderungen. Die höchste Stufe 4 („Premium“) steht für besten Haltungsbedingungen. Auch Biofleisch soll in diese Stufe eingeordnet werden.

Weiterhin Bedenken um Wohl der Tiere

Die Verbraucherorganisation Foodwatch kritisierte die Kennzeichnung als „Mogelpackung“. Sie gaukele Verbrauchern vor, sie könnten mit ihrem Einkauf die Zustände in den Ställen maßgeblich verbessern, sagte Foodwatch-Experte Matthias Wolfschmidt. Es gehe aber nur um formale Haltungsbedingungen. „Das garantiert nicht, dass es den Tieren gut geht.“

Grünen-Ernährungsexpertin Renate Künast sagte: „Die Kunden haben bei jedem Stück Fleisch das Recht zu wissen, wie die Tiere gehalten wurden.“ Das Bundesministerium arbeite aber schon seit vier Jahren an einer freiwilligen Kennzeichnung. „Warten auf Godot, das macht der Handel nun nicht länger mit.“ Es sei gut, dass die Branche jetzt vorangehe und selbst eine Haltungskennzeichnung einführe. „Das Klöckner-Label ist damit gescheitert, bevor es starten konnte.“ Die CDU-Politikerin müsse die gesetzlichen Mindeststandards anheben.

Umfangreichere Kriterien

Das Ministerium betont indes Unterschiede zum System des Handels. Das staatliche Kennzeichen lobe nicht schon den selbstverständlichen gesetzlichen Mindeststandard aus, sondern ein Mehr an Tierwohl. Es setze deutlich umfangreichere Kriterien an, die nicht nur die Haltung im Stall im Blick haben, sondern etwa auch die Aufzucht von Ferkeln, Transport und Schlachtung. Das Logo soll mit Schweinefleisch starten und in drei Stufen mit jeweils steigenden Anforderungen höhere Standards garantieren. In der ersten Stufe sollen Schweine zum Beispiel 20 Prozent mehr Platz im Stall haben als vorgeschrieben.

Kritik an Freiwilligkeit

Kritik gibt es aber unter anderem daran, dass Bauern nur freiwillig an dem neuen Label teilnehmen sollen. Foodwatch-Experte Wolfschmidt warnte: „Mitmachen werden nur die Betriebe, die ohnehin schon gute Arbeit leisten.“ Statt eines weiteren freiwilligen Siegels brauche es gesetzliche Vorgaben für bessere Tiergesundheit in allen Ställen.

Die Umweltorganisation Greenpeace forderte alle Anbieter auf, Fleisch freiwillig zu kennzeichnen, solange es keine Verpflichtung gebe. Eine eigene Abfrage bei Wurstherstellern habe aber keine Bereitschaft erkennen lassen. Dies zeige, wie wichtig eine Kennzeichnungspflicht sei. Ein weiteres freiwilliges Label, wie von Klöckner geplant, stifte nur Verwirrung, löse aber die Probleme nicht. Damit in artgerechtere Haltung investiert werden könne, müsse mehr Geld bei den Tierhaltern ankommen. „Preisdumping bei Fleisch und Wurst muss ein Ende haben.“

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Ein Label, vier Stufen


Die Initiative Tierwohl (ITW) hat das neue System entwickelt.

Stufe 1, Stallhaltung: Sie entspricht gesetzlichen Regeln, 90 Prozent des  bundesweit gekauften Frischfleisches werden so hergestellt. Ein Schwein (100 Kilo) hat 0,75 Quadratmeter Platz, ein Rind 1,8 Quadratmeter.

Stufe 2, Stallhaltung plus: Ist gegenüber Stufe 1 nur eine leichte Verbesserung. Schweine haben beispielsweise 10 Prozent mehr Platz und erhalten organisches Beschäftigungsmaterial.

Stufe 3, Außenklima: Mehr Platz, Auslauf und Zugang zu Außenbereichen. Schweine bekommen beispielsweise zusätzliches Stroh.

Stufe 4, Premium: Zudem Auslauf im Freien. Milchkühen steht Weidegang von Mai bis Oktober zu.  swp