10 000 wütende Bauern belagern das Kloster Schöntal. Sie plündern und stecken das Archiv in Brand. Derart gewalttätig ging es im Frühjahr 1525 zu. Fast 500 Jahre später, bei der Herbsttagung der Agrarminister, gebärdeten sich die Landwirte nicht so wild. Sie begnügten sich mit riesigen Bannern entlang der Zufahrtsstraßen. Zu einem Protestzug mit Traktoren waren statt der erwarteten Hundertschaften nur rund 50 Schlepper getuckert.

Unter den Bauern haben sich zwei Lager gebildet. Klaus Mugele, Vize-Präsident des Landesbauernverbands, überreicht Bundesministerin Ilse Aigner (CSU) eine Resolution gegen die geplante Stilllegung von 7 Prozent der Nutzfläche, "Greening" heißt dies in der Fachsprache. "Das ist bei rund einer Milliarde hungernder Menschen völlig unverständlich", betonte Mugele, ein Schweinemäster in Hohenlohe.

Milchbauern dagegen haben andere Sorgen. Sie kämpfen für faire, also höhere Preise. Weil sie sich benachteiligt sehen, zeichneten sie die Ministerin mit der "blechernen Milchkanne" für ihre verfehlte Politik aus. Einer der protestierenden Milcherzeuger ist Helmut Weidner (42) aus Künzelsau. 80 Kühe, steigende Ausgaben, sinkende Einnahmen, neuer Stall für 300 000 EUR - wenn er nicht bald mehr verdiene, könne er in spätestens einem halben Jahr die Rechnungen nicht mehr bezahlen. Aufhören? "Das geht doch nicht, das ist ein Familienbetrieb, von dem drei Generationen leben."

Gastgeber Alexander Bonde, der grüne Landesminister und derzeitiger Vorsitzender der Ressortrunde, kann der Presse strahlend Einigkeit verkünden: "Alle 16 Länder vertreten eine gemeinsame Position." "Greening" wird als "ökologische Modernisierung" etikettiert, bei der "sinnvolle Nutzung" erlaubt werden soll. An der Methode "Öffentliche Gelder für öffentliche Leistung" wird festgehalten. Für Genmais, sollte er so gefährlich sein wie Studien glauben machen, müsse ein Importstopp verfügt werden. Der Einsatz von Antibiotika in der Tiermast muss reduziert werden.

Aigner macht sich stark für Förderungen und Zulagen: "Mein Herz schlägt für stabile Verhältnisse." Agraringenieur Till Backhaus, SPD-Minister in Mecklenburg-Vorpommern, möchte die Bauern nicht abgekoppelt wissen von anderen Wirtschaftszweigen: "Die Landwirtschaft muss einen sicheren Platz in der Gesellschaft erhalten." Den Milchlieferanten würde er am liebsten eine "Ausfallentschädigung" für Krisenzeiten zugestehen. Dafür findet er keine Mehrheit, "die CDU befürchtet ein dirigistisches System".

Die Ministerrunde besann sich aber über Partei- und Ländergrenzen hinweg, auf die Macht der Einigkeit nicht nur mit Blick auf das ferne Brüssel. Es geht vorrangig um die Position in Berlin. "Wenn wir streiten", sagte Ministerialdirektor Wolfgang Reimer der SÜDWEST PRESSE, "dann sagt die Bundesregierung, wenn ihr euch nicht einig seid, machen wir eben was wir für richtig halten."