Beruf Kanalbauer: Harter Job mit hohem Anspruch

Passgenaues Arbeiten: David Anderson bereitet einen Schacht für das Verlegen eines Abwasserrohrs vor. Körperliche Fitness und technisches Verständnis sind Voraussetzungen für seinen Job.
Passgenaues Arbeiten: David Anderson bereitet einen Schacht für das Verlegen eines Abwasserrohrs vor. Körperliche Fitness und technisches Verständnis sind Voraussetzungen für seinen Job. © Foto: dpa
dpa 13.05.2017
In der Kanalisation riecht es manchmal so stark, dass Kanalbauer Atemmasken brauchen. Haben sie also einen Job, den man nicht so gerne machen möchte?

Mal arbeitet er unter der Erde, mal im Freien: David Anderson ist im zweiten Ausbildungsjahr als Kanalbauer. Er richtet Abwassersysteme ein. Um in den Untergrund zu gelangen, müssen er und seine Kollegen erst einmal auf der Straße eine Baugrube oder einen Graben ausheben. Dann verlegen sie dort Rohre, damit das Wasser abfließen kann. „Der Job ist körperlich enorm anstrengend“, erzählt Anderson. Wenn er abends nach Hause kommt, ist er geschafft. „Trotzdem, es macht Spaß“, sagt der 17-Jährige.

 Bei der Arbeit helfen zwar Maschinen. Anderson muss trotzdem viele Aufgaben mit den Händen erledigen. Auch schwere Bauteile, zum Beispiel kleinere Schachtsegmente aus Beton, muss er heben und tragen. Bewerber müssen deshalb von der Statur her robust und absolut fit sein. „Auch sollten sie technisches Verständnis mitbringen“, sagt Susanne Müller vom Hauptverband der Deutschen Bauindustrie.

Das brauchen sie zum Beispiel, um bei der Inspektion eines Kanals ferngelenkte Kamerafahrzeuge bedienen zu können. Sorgfalt bei der Arbeit ist unerlässlich, wie etwa beim Verlegen von Rohren. Die Teile müssen sehr penibel auf ihre Dichtheit überprüft werden, schließlich dürfen keine Abwässer ins Grundwasser sickern.

 Die Ausbildung zum Kanalbauer dauert drei Jahre. Jugendliche lernen im Betrieb, an der Berufsschule sowie an überbetrieblichen Ausbildungsstätten. Einen bestimmten Schulabschluss müssen Bewerber nicht haben. Der Betrieb entscheidet, wen er ausbilden möchte. 2016 haben deutschlandweit 117 junge Leute eine Ausbildung zum Kanalbauer begonnen. Diese Zahl nennt Andreas Pieper vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB). Der Frauenanteil liegt bei unter einem Prozent.

Auch Anderson ist Teil eines Teams, das ausschließlich aus Männern besteht. Frühmorgens, um 6.30 Uhr, treffen sich alle auf dem Betriebsgelände. Irgendwo in der Stadt wird ein Haus gebaut. Aufgabe der Kanalbauer ist es, die Leitungen des Gebäudes ans städtische Abwassersystem anzuschließen. Als Erstes lesen Kanalbauer dafür Grundrisse und Lagepläne und vermessen das Gelände. Als nächstes steht dann an, Gräben auszuheben. Diese müssen die Experten trockenlegen und sichern. Dann verlegen sie die Rohre und schließen die Baugrube wieder. Dazu gehört dann mitunter auch, Pflastersteine zu verlegen. Seine bislang größte Herausforderung war, einen Bordstein zu setzen. „Das klingt einfach, ist es aber nicht“, erzählt Anderson. Am schwierigsten sei es, die schweren Steine passgenau zu platzieren.

 Zu den weiteren Tätigkeiten von Kanalbauern gehört, Abwasserleitungen und -systeme instand zu halten und zu sanieren. Mitunter müssen sie auch Rohrleitungen und Schächte reinigen. Wer Probleme mit Schmutz hat, ist in dem Job nicht an der richtigen Stelle. Kanalbauer dürfen auch nicht geruchsempfindlich sein. „Unter der Erde riecht es oft unangenehm“, erzählt Anderson. Wenn der Geruch zu stark ist, legen Kanalbauer Schutzmasken an.

Bewerber müssen auch in der Lage sein, in einem Schacht oder Graben auf engem Raum zu arbeiten. Lärm, etwa durch einen Presslufthammer bei Erdarbeiten, gehört ebenfalls zum Alltag. Gearbeitet wird auch bei Wind, Regen oder praller Hitze. All das macht Anderson nichts aus. Der alles andere als bequeme Arbeitsalltag wird gut bezahlt, die tarifliche Ausbildungsvergütung in der Bauwirtschaft ist überdurchschnittlich hoch. Sie liegt nach Angaben des Bundesinstituts für Berufsbildung im ersten Jahr zwischen 675 und 755 Euro, im zweiten zwischen 895 und 1115 Euro und im dritten Ausbildungsjahr zwischen 1120 und 1400 Euro.

Die jeweilige Höhe hängt davon ab, ob der Azubi in den alten oder in den neuen Bundesländern tätig ist.  Das Einstiegsgehalt nach der Ausbildung hängt von der Tätigkeit ab. „Ausgebildete Facharbeiter können mit einer tariflichen Vergütung von mindestens 2600 Euro rechnen“, erklärt Susanne Müller.

 Kanalbauer arbeiten bei Tiefbauunternehmen, in der Abwasserwirtschaft oder bei Bauämtern. Ihre Jobaussichten sind sehr gut, da in vielen Städten das im 19. Jahrhundert angelegte Kanalsystem inzwischen sanierungsbedürftig ist. Nach der Ausbildung können sich Kanalbauer etwa zum Vorarbeiter qualifizieren. Auch ohne Abitur haben sie nach einigen Jahren die Möglichkeit, zu studieren und zum Beispiel als Bauingenieur tätig zu werden.

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