Fellbach Gute Ernte trotz Wetterkapriolen

Fellbach / RAIMUND WEIBLE 27.08.2013
Zufriedene Bauern: Die Getreideernte fiel in Baden-Württemberg besser aus als erwartet - trotz der Wetterkapriolen im Frühjahr und im Sommer. Allerdings geraten die Preise unter den Druck des Weltmarkts.

Ein langer Winter, dem ein nasskaltes Frühjahr folgte, schließlich große Trockenheit im Juli: Häufig waren die Wetterbedingungen des Jahres 2013 in Baden-Württemberg für den Ackerbau ungünstig. Im Mai und Juni stand das Getreide, aber auch der Mais in Tallagen mit schweren Böden unter Wasser. Im heißen Juli schließlich waren Böden im Nachteil, die rasch austrocknen. Es war nicht unbedingt mit guten Getreideerträgen zu rechnen. Doch trotz aller Wetterkapriolen: Die Bauern sind allgemein zufrieden.

"Es gab 2013 keine Spitzenernte, aber eine ordentliche Ernte mit gutem Ertrag", zog gestern Alois Fahrmaier Bilanz. Der Experte vom Landesbauernverband in Baden-Württemberg (LBV) sprach sogar von einer leicht überdurchschnittlichen Ernte. Ausschlaggebend war die letzte Phase, bevor die Erntemaschinen anrückten. Die Bedingungen waren gut und glichen so manches Defizit wieder aus. "Die Wetterkapriolen haben uns nicht viel ausgemacht", sagte der Vorsitzende des LBV-Fachausschusses "Pflanzliche Produktion und nachwachsende Rohstoffe". Die Getreidequalitäten waren insgesamt sehr gut. Die Raps-Erträge lagen hinter den Erwartungen.

Zu den Problemregionen zählten die Landkreise Reutlingen, Tübingen und Göppingen, der Zollernalbkreis und der Alb-Donau-Kreis. Dort verursachte Hagelunwetter massive Schäden bei Mais, Raps, Sonderkulturen und teilweise auch beim Getreide. Wie der LBV mitteilte, verloren Tierhalter, aber auch Betriebe mit einer Biogasanlage, einen Teil ihrer Futtergrundlage. Fahrmeier geht davon aus, dass die Landwirte in diesen Regionen gut hagelversichert sind. Doch es sei fraglich, ob die Versicherungen den Schaden zu 100 Prozent ausgleichen. Jedenfalls müssten die Bauern im kommenden Jahr mit höheren Versicherungsbeiträgen rechnen.

Deswegen sei es besser, die Risikovorsorge der Betriebe zu verbessern. Fahrmeier wiederholte die alte Forderung seines Verbands an den Bund, die Risikorücklagen steuerfrei zu stellen. Damit wäre den Landwirte sehr geholfen. Denn bei einer besseren Eigenkapitalbasis seien die Betriebe gegen Risiken besser aufgestellt.

LBV-Mitarbeiter Marco Eberle sagte, die Risiken der Betriebe nähmen zu wegen der Wetterextreme und des schwer einschätzbaren Marktes. Auf die Wetterextreme könnten die Bauern nur begrenzt reagieren, etwa durch den Anbau einer passender Sorten. Deshalb komme der Pflanzenzüchtung eine Schlüsselrolle zu.

Was die Laune der Getreideanbauer zudem verdirbt, ist der Preisverfall. Weltweit ist 2013 ein gutes Jahr, die Erträge sind hoch. Dadurch geraten die Erlöse unter Druck. Beim Weizen bekamen die Bauern 2012 noch durchschnittlich 22 EUR pro Doppelzentner. Derzeit erhalten sie nur 16 EUR. Ein ähnliches Bild beim Roggen, beim Hafer, bei Brau- und Futtergerste. Beim Raps sanken die Erzeugerpreise innerhalb eines Jahres von 47 auf 34 EUR.

Etwas besser sieht es im ökologischen Landbau aus. Die Preise seien dort eher stabil, sagte Fahrmeier. Und die Qualitäten sorgen für gute Laune bei den Landwirten. Bei Roggen und Dinkel vermelden die Biobauern Ertragseinbußen.

Landesweit ist die Getreide- und Rapsernte in den frühen und mittleren Lagen abgeschlossen. In den Spätdreschgebieten auf den Höhenlagen steht noch vereinzelt Getreide auf dem Halm. Das im Vorjahr sehr deutliche Ertragsgefälle von Nord nach Süd, so Fahrmeier, gebe es in diesem Jahr nicht.