Hamburg Günther Fielmann wird 75 Jahre alt

Brillenkönig Günther Fielmann: "Ein wenig Unvernunft steht jedem Menschen zu. Es ist einfach schön, in einem Ferrari schnell zu fahren."
Brillenkönig Günther Fielmann: "Ein wenig Unvernunft steht jedem Menschen zu. Es ist einfach schön, in einem Ferrari schnell zu fahren." © Foto: dpa
Hamburg / ECKART GIENKE, DPA 16.09.2014
Günther Fielmann hat die Branche der Augenoptiker in Deutschland auf den Kopf gestellt und einen großen Handelskonzern geschaffen. Zu seinem 75. Geburtstag denkt er über seine Nachfolge nach.

Der Unternehmer Günther Fielmann hat Deutschland verändert. In fast jeder Fußgängerzone findet sich eine Filiale seiner Optik-Kette. Allein in Deutschland sind es ungefähr 580, dazu 100 Geschäfte im Ausland. Jede zweite Brille in Deutschland wird von Fielmann verkauft, 90 Prozent der Bevölkerung kennen das Unternehmen. Millionen Kunden tragen seine Produkte, mehr als 16 000 Mitarbeiter arbeiten für Fielmann. Morgen Mittwoch wird der Brillenkönig 75 Jahre alt.

Sein Imperium schuf der gebürtige Schleswig-Holsteiner aus dem Nichts. Im Alter von 33 Jahren eröffnete er 1972 in Cuxhaven sein erstes Geschäft. Das war so etwas wie der Urknall in der verschlafenen Optiker-Branche. Fielmann begnügt sich mit einer geringeren Marge, schaltet den Zwischenhandel aus, gibt den Kunden Garantien - der junge Unternehmer setzt auf strikte Kundenorientierung.

Der endgültige Durchbruch kam 1981, als Fielmann den Krankenkassen die Kassenbrille abhandelte und durch eine Vielzahl von modernen Modellen ersetzte. "Bis dahin musste jeder Brillenträger den Nachweis seines geringen Einkommens auf der Nase tragen", erinnert sich Fielmann. Kassenbrillen wurden erstattet, wer mehr wollte, musste zahlen - die traditionellen Optiker erreichten so Margen von bis zu 30 Prozent.

"In der Anfangsphase war es immer das gleiche Spiel. Wir ritten einmal über den Bodensee und zurück", sagte Fielmann. "Wir haben immer wieder alles riskiert." Es folgt der Börsengang 1994 und die Expansion ins Ausland, die verhalten blieb und sich auf Schweiz und Österreich fokussierte. Zeitweise hatte Fielmann größere Pläne.

Zudem ist Fielmann vorsichtiger als in den Anfangsjahren. Das Unternehmen ist schuldenfrei, hoch liquide und zu mehr als 70 Prozent in Familienbesitz. Längst ist Fielmann nicht nur Händler und Handwerker, sondern auch Produzent von Brillen mit einem Produktionszentrum im brandenburgischen Rathenow. Als Ziel formuliert Fielmann, deutschlandweit je 100 000 Einwohner eine Niederlassung zu betreiben; da fehlen noch ungefähr 200.

Neben seinen unternehmerischen Erfolgen engagiert sich Fielmann als Öko-Landwirt. Mehr als 2300 Öko-Artikel sind im Hofladen von Hof Lüthjensee zu kaufen. Er Mit den Betrieben Hof Ritzenau und Gut Schierensee in Kiel, wo Fielmann auch wohnt, bewirtschaftet er mehr als 2000 Hektar in Schleswig-Holstein. Auch das Schloss Plön hat Fielmann gekauft.

Fielmann spendet viel, für Bildung, Wissenschaft und Kultur, Ökologie und Naturschutz. Er hat seine Mitarbeiter über Aktien am Unternehmen beteiligt und pflanzt für jeden von ihnen jedes Jahr einen Baum.

Fielmann hat spät geheiratet, mit 48 Jahren. "Mit meinen Kindern habe ich großes Glück", sagte Fielmann dem Journalisten Harald Czycholl. Sein Sohn bereite sich auf eine größere Rolle im Unternehmen vor. Auch die Tochter, die Psychologie studiert, sei für eine Aufgabe im Unternehmen prädestiniert.

"Das Leben auf dem Land hat mich geprägt", sagt er in einem Gespräch. "Schon als Kind träumte ich von einem eigenen Bauernhof." Und wie passt dazu Fielmanns kleiner Ferrari-Fuhrpark? "Ein wenig Unvernunft steht jedem Menschen zu. Es ist einfach schön, in einem Ferrari schnell zu fahren."