Nadja steht mit 30 000 € in der Kreide. Die 30-Jährige wird Jahre brauchen, um von ihrem Schuldenberg herunterzukommen. Die Studienrätin an einem kaufmännischen Berufsschulzentrum im Südwesten, verdient rund 3800 € brutto monatlich .Mit Bafög, Studentenjobs und einem Studienkredit hielt sie sich wie viele ihrer Kommilitonen in den 13 Semestern ihres Studiums über Wasser. Ihre Eltern haben die 30-Jährige nie finanziell unterstützt. „Ich hätte mir von meinen Eltern mehr Voraussicht gewünscht“, sagt sie heute.

Eltern sollten möglichst früh mit dem Sparen für die Ausbildung und das Studium ihrer Kinder beginnen. Das meint Anton Vetter, Vorstand beim Vermögensverwalter BV & P: „Dank der langen Laufzeit kommt man schon mit relativ geringen, aber regelmäßigen Beträgen zu einer hübschen Startsumme.“

45 000 € kostet ein Studium über zehn Semester derzeit im Schnitt, so das Deutsche Studentenwerk. Das macht mal eben 750 € im Monat. Zwar unterstützt der Staat berechtigte Familien über das Bundesausbildungsförderungsgesetz (Bafög) finanziell. Doch nicht jeder Student, der es gut gebrauchen könnte, bekommt tatsächlich Bafög. Und selbst wenn der Staat monatlich Geld überweist, müssen die meisten Eltern zuschießen, damit ihr wissbegieriger Nachwuchs über die Runden kommt.

Wer schon bei der Geburt zu sparen beginnt, kann in den ersten Jahren vorrangig oder gar ausschließlich auf die weltweiten Aktienmärkte setzen. Drei bis fünf Jahre vor Studienbeginn sollte der Anteil der Anleihen im Portfolio dann deutlich steigen, um das Kapital fürs Studium nicht mehr zu gefährden. Wer etwa das monatliche Kindergeld von aktuell 192 € von Geburt an sparen kann und 18 Jahre dabei bleibt, kommt bei 4 Prozent Rendite auf gut 60 000 € Guthaben, davon fast 19 000 € an Erträgen. Eine solche Rendite kann derzeit laut Niels Nauhauser, Finanzexperte beim Verbraucherschutz Baden-Württemberg, nicht Tages- und Festgeldkonten erwirtschaftet werden. Ein preiswerter Aktienindexfonds mit weltweiter Streuung wäre dann ein Mittel der Wahl.

Doch Nauhauser warnt: „Aktienmärkte sind launisch, da kann sich das angelegte Geld auch mal halbieren.“ Diese Launen müssten dann ausgehalten und ausgesessen werden. Nauhauser nennt auch Alternativen: „Man kann den Kindern oder Enkeln statt eines ungreifbaren Finanzproduktes auch den Musikunterricht oder den Vereinsbeitrag für den Sport bezahlen.“ Die Eltern müssen sich also zuvorderst über das Sparziel einig werden.

Als Alternative eignen sich auch Bank- oder Fondssparpläne. Banksparpläne garantieren laut Verbraucherschutzzentrale die höhere Sicherheit. Die Raten wiederum können bei Aktienfondssparplänen in der Regel sehr flexibel kostenlos verändert oder ausgesetzt werden. Denn finanzielle Engpässe sind in den vielen Jahren immer möglich.

„Frischgebackene Eltern sollten unbedingt eine kostengünstige Risikolebensversicherung abschließen, um für den schlimmsten Fall finanziell gewappnet zu sein“, rät der Vermögensverwalter Vetter.

Oft angeboten wird eine Ausbildungs­versicherung, die eine Form der kapital­bildenden Lebens­versicherung ist. So sollen die Kosten der Berufs­ausbildung eines Kindes abgesichert werden. Die Verbraucherzentrale rät von solchen Kombinationen ab, weil sie eventuelle Risiken oft nicht bedarfsgerecht absichern. Es ist auch nicht so einfach, über das Guthaben vor Vertragsende zu verfügen oder mit dem Sparen längere Zeit auszusetzen. Außerdem sind die Kosten recht hoch.

Wer sich unsicher ist, informiert sich wenn möglich selbst. „Klar ist, dass von Versicherungsvertretern oder Bankberatern eine echte Beratung zur Anlageform nicht zu erwarten ist“, sagt Nauhauser. Und selbst wenn der Nachwuchs dann lieber eine Lehre beginnt: Voraussicht, wie sie sich Nadja gewünscht hätte, zahlt sich aus. Denn das Geld kann auch als eine gute Starthilfe für ein Eigenheim dienen.

Für Bildung wird kaum gespart


Wichtige Grenzen beim Anspruch auf Bafög


Wenn das Kind ein Vermögen von mehr als 7500 € besitzt, wird der überschüssige Betrag auf den Bafög-Anspruch angerechnet. Das Vermögen der Eltern hat jedoch keine Auswirkungen darauf. Verdient der Sprössling mehr als rund 451 € monatlich (rund 5416 € im Jahr) während des Studiums, wird das Bafög anteilig gekürzt. Hat das Kind so gut wie sicher keinen Bafög-Anspruch, kann es sinnvoll sein, den Sparplan für das Studium auf seinen Namen laufen zu lassen und Sparerpauschbetrag (801 €) und Steuergrundfreibetrag (9000 €) zu nutzen, wenn das Geld aus dem Sparplan während des Studiums ausgezahlt wird. Sind die Eltern gesetzlich krankenversichert, werden Studenten, die nebenher jobben, bis zum 25. Geburtstag kostenlos mitversichert. Voraussetzung dafür ist, dass sie in einem Mini-Job nicht mehr als 450 € oder in einem Nicht-Mini-Job nicht mehr als 425 € verdienen. Jürgen Lutz