Große Klappe, nichts dahinter

Wo viel Licht ist, ist starker Schatten (Goethe). Dumm nur, dass beileibe nicht jeder Selbstdarsteller wirklich eine Leuchte ist. Foto: Getty
Wo viel Licht ist, ist starker Schatten (Goethe). Dumm nur, dass beileibe nicht jeder Selbstdarsteller wirklich eine Leuchte ist. Foto: Getty
BRITTA SCHMEIS, DPA 26.04.2014
Sie kriegen die besten Jobs und das meiste Lob: Schaumschläger. Zurückhaltendere Kollegen gucken oft in die Röhre. Was hilft dagegen?

Die schlechte Nachricht zuerst: Aus einem Tiefstapler wird wohl nie ein Blender. Ist es ihm doch zuwider, sich aufzuspielen. Vor allem Frauen neigen dazu, die eigenen Stärken herunterzuspielen. Die Folge: Schaumschläger bremsen sie aus oder benutzen sie. Doch mit Geschick, dem richtigen Auftreten und dem Wissen, wie die Mechanismen funktionieren, kann man Blendern das Handwerk legen.

"Die Menschen sind gegengeschlechtlich geprägt, die Jungen von den Müttern, die Mädchen von den Vätern", sagt Roman Maria Koidl. Er ist Unternehmer und hat ein Buch zum Thema "Blender" geschrieben. Mütter hielten ihre Söhne häufig für die Größten. Die Töchter hingegen wollten sich vor ihren Vätern beweisen, ihnen gefallen, und das funktioniere oft über Leistung. Nach diesem Muster agierten sie später auch als Erwachsene.

"Blender zeichnen sich dadurch aus, dass sie in der Regel wenig von der Materie verstehen, aber viel Wind darum machen", erklärt Karriereberaterin Svenja Hofert. Das habe viel mit Körpersprache, Aussehen und Auftreten zu tun. Es sei der viel beschworene Halo-Effekt, sagt Hofert: Der Begriff aus der Psychologie beschreibt das Phänomen, dass Menschen dazu tendieren, einen ersten Eindruck immer weiter zu bestätigen. Sie nehmen in der Folge vor allem das wahr, was zu diesem Eindruck passt, und unterdrücken, was davon abweicht.

Wer oft von Blendern ausgebremst wird, sollte zunächst den eigenen Auftritt überprüfen. "Eine überzeugende Stimme, ein fester Händedruck und Statussymbole wie teure Uhren und dicke Autos sind für viele Zeichen für Erfolg und Kompetenz", sagt Hofert. Ein Ansatzpunkt sei die Stimme, mit der man verhältnismäßig einfach arbeiten kann. Hofert zufolge werden Beschäftigte von ihrer Umwelt anders wahrgenommen, wenn sich die Stimme verändert hat.

Wegen des Halo-Effekts sei es vor allem in den ersten zwei Minuten eines Gesprächs wichtig zu punkten, erklärt Karriereberaterin Madeleine Leitner. Zwei Minuten, in denen sich Tiefstapler besonders bemühen sollten, sich zu positionieren. Lässt sich doch der erste Eindruck später nur mühsam korrigieren. Beispiel Vorstellungsgespräch: Üblicherweise kommen zu Beginn Fragen wie "Wo liegen Ihre Stärken und Schwächen?" oder "Erzählen Sie mal etwas über sich". "Genau das sind Situationen, in denen man sich positionieren muss." Blendern gelingt das spielend. Wem Selbstdarstellung dagegen schwerfällt, der sollte versuchen, ganz konkret zu antworten und Beispiele zu nennen, die für die eigenen Qualitäten sprechen.

Mancher muss auch da erst einmal die eigene Schambarriere überwinden, sagt Koidl. "Wir leben in einer Gesellschaft, in der man sich ständig präsentiert, in den sozialen Netzwerken, im Job, in der Öffentlichkeit." Wer nicht untergehen will, könne sich dem kaum entziehen. Die eigenen Qualitäten offensiv zu bewerben, ist deshalb nicht peinlich, sondern eine Notwendigkeit. Wer sich das klarmacht, hat weniger Schwierigkeiten, sich zu vermarkten.

Autorität hat Koidl zufolge ein Stück weit immer auch der, der sie sich anmaßt. Blender täten das ohne Substanz, zurückhaltendere Kollegen müssten sich die Autorität erst verschaffen. Wichtig sei, sich der eigenen Kompetenzen bewusst zu sein und sie selbstbewusst zu vertreten. Wer sich unsicher ist, wo die eigenen Stärken liegen, kann zum Beispiel Freunde oder vertraute Kollegen um Feedback bitten.

Den Schaumschläger im Kollegenkreis einfach nur nachzuahmen, ist nicht das Mittel der Wahl. Wichtig ist, ihn zu entlarven. Gibt er wieder einmal mächtig an, helfen sachliche Nachfragen. Häufig wird der Aufschneider zwar versuchen, derlei Fragen abzubügeln oder sich darüber lustig zu machen. Davon darf man sich nicht abschrecken lassen. Stattdessen zäh bleiben und nochmals nachfragen. Gerade wenn sich ein Kollege mit fremden Federn schmückt, sollte man das öffentlich machen und den Chef bei Gelegenheit darüber aufklären.

Vor einer Idee sollten zurückhaltende Leute sich hüten: Sich zu verstellen, bringt nichts. Das wirkt angestrengt und unauthentisch. Auch Tiefstapler sollten immer sie selbst bleiben. Leitner verdeutlicht es mit einem Beispiel: "Ein Spatz sollte nicht versuchen, ein Pfau zu sein. Es gibt aber Pfauen, die aussehen wie Spatzen, und die sollten ihrem Gegenüber die Chance geben, die Pfauenfedern zu erkennen."

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