Athen Griechen werben um Vertrauen

Kunden stehen vor einer Athener Bank, um Geld abzuheben: Solche Szenen fördern nicht das Vertrauen. Foto: dpa
Kunden stehen vor einer Athener Bank, um Geld abzuheben: Solche Szenen fördern nicht das Vertrauen. Foto: dpa
Athen / GERD HÖHLER 27.02.2012
Die griechische Wirtschaft sorgt vor allem für Negativschlagzeilen. Das soll sich ändern, haben zwanzig Großunternehmen beschlossen. Sie trommeln in Anzeigen im Ausland nun für mehr Vertrauen.

Mit einer breit angelegten Anzeigenkampagne und einem neuen Internetportal werben griechische Unternehmer um Vertrauen und Unterstützung für ihr krisengeschütteltes Land. Die Aktion heißt "Geben Sie Griechenland seine Chance". Die ganzseitigen Anzeigen wurden am Wochenende in zahlreichen überregionalen Tageszeitungen Deutschlands, Frankreichs und der Niederlande sowie im "Wall Street Journal" und in der "International Herald Tribune" geschaltet, der internationalen Ausgabe der "New York Times".

Griechenland habe sich "zu dem härtesten Sparprogramm der neueren Geschichte verpflichtet", heißt es in den Anzeigen, "weitere Entbehrungen sind unumgänglich". Die Rezession gehe für die Griechen bereits ins fünfte Jahr. "Unsere Partner in Europa haben zu uns gestanden. Wir benötigen diesen Beistand, ebenso wie die Luft zum Atmen, um diesen Teufelskreis zu durchbrechen." Weiter heißt es in den Inseraten: "Wir werden unsere Versprechen halten. Wir haben aus unseren Fehlern gelernt. Wir haben bereits große Opfer gebracht. Wir sind bereit, mehr zu tun. Unser Einsatz ist unsere Zukunft."

Getragen wird die Kampagne von 20 griechischen Unternehmen. Darunter sind Aegean Airlines und die Athener Flughafengesellschaft, Hellenic Telecom, der Coca Cola-Abfüller Hellenic Bottling, die Kreditinstitute Eurobank EFG und Piraeus Bank, die Raffineriegesellschaft Hellenic Petroleum sowie die Bauunternehmen Ellaktor und J&P. Auch der Verband der griechischen Touristikunternehmen unterstützt die Aktion.

Zu ihren Motiven sagen die Initiatoren: "Wir sind ein Netz gleichgesinnter Geschäftsleute, Mitarbeiter und Freunde, die nicht mehr schweigende Beobachter sein können." Im Dialog über Griechenland werde das Wesentliche oft von Stereotypen und Populismus überlagert. Die Initiatoren appellieren: "Wir bitten Sie, sich mehr darauf zu konzentrieren, was schon erreicht wurde, und uns in dem zu unterstützen, was noch erreicht werden kann."

Parallel zu der Anzeigenkampagne öffnete eine Internetseite mit dem Namen greeceischanging.com ("Griechenland verändert sich"). Dort sind zahlreiche Wirtschaftsdaten abrufbar, die unterstreichen sollen, dass Athen sich auf dem richtigen Weg befindet und die Spar- sowie Reformbemühungen Früchte tragen. So wurde das Primärdefizit im Haushalt von 24,7 Mrd. EUR in 2009 auf 5,2 Mrd. EUR 2011 abgebaut, das war die größte Konsolidierungsleistung aller Euroländer. Die Gehälter im öffentlichen Dienst wurden von 2009 bis 2011 um mehr als 30 Prozent gekürzt, die Renten um 10 Prozent. Die Zahl der Staatsbediensteten sank seit 2010 von 768 009 auf 712 157 im Februar 2012.

Zudem hat Griechenland EU-Angaben zufolge 2010 und 2011 den Wettbewerbsrückstand, in den es im Zeitraum 2000 bis 2009 geriet, bereits zur Hälfte wieder aufgeholt.

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