Der Leasingkonzern Grenke will die gegen ihn von einem Finanzspekulanten erhobenen Vorwürfe mit einem Sondergutachten der Wirtschaftsprüfer von KPMG entkräften lassen. Das habe der Aufsichtsrat beschlossen, teilte Grenke in Baden-Baden mit. „Nach einhelliger Auffassung des Vorstandes und des Aufsichtsrates sind sämtliche Anschuldigungen in allen Themenbereichen unbegründet“, hieß es in einer umfangreichen schriftlichen Stellungnahme. Zudem lässt Wolfgang Grenke sein Aufsichtsratsmandat ruhen, wie am Montag bekannt wurde.

„Kein Vergleich zwischen Grenke und Wirecard“

Die Behauptungen der Investorengruppe Viceroy entbehrten jeder Grundlage, und man verwahre sich gegen jeglichen Vergleich zwischen Grenke und Wirecard – dem wegen Bilanzmanipulation inzwischen insolventen Zahlungsdienstleister, der noch Kurzem im Dax notiert war. „Wir sind ehrbare Kaufleute“, sagte die Grenke-Vorstandsvorsitzende Antje Leminsky bei einer Pressekonferenz.
Viceroy hatte unter anderem das Franchising-System von Grenke als Betrugskonstrukt im großen Stil kritisiert und behauptet, ein großer Teil der im Geschäftsbericht aufgeführten finanziellen Mittel existiere nicht. Grenke wies das als „falsch, haltlos und frei erfunden“ zurück.
An der Börse kamen die Stellungnahme des Vorstands und die Aussagen aus der Pressekonferenz zunächst gut an. Das im MDax notierte Unternehmen drehte ins Plus und erholte sich etwas, nachdem der Kurs zeitweise unter 24 Euro abgesackt war.
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Schwäbisch Hall

Spekulation mit Grenke-Aktien nach dem Wirecard-Skandal

Trotz der seitdem eingesetzten Erholung liegt das Papier aber weiter deutlich unter dem Niveau, das es vor der Attacke des Leerverkäufers Viceroy hatte, als die Aktie noch rund 55 Euro kostete. Leminsky geht aber davon aus, dass sich der Aktienkurs wieder erholen wird. Sie bedauerte, dass Viceroy vorher keinen Kontakt aufgenommen habe und das Unternehmen daher unvorbereitet in diese Situation geschlittert sei.
Die Sache ist auch deshalb heikel, weil Viceroy mit der Geschichte – wie in anderen Fällen zuvor – selbst wohl eine Menge Geld verdient. Mit sogenannten Leerverkäufen hat die Investorengruppe auf den Absturz der Grenke-Aktie gewettet und macht daraus auch keinen Hehl. In den nächsten Tagen will Grenke entscheiden, ob und gegebenenfalls welche rechtlichen Schritte es gegen Viceroy einleitet. Im Fall Wirecard hatten das Analyse-Unternehmen Viceroy und der Leerverkäufer Fraser Perring allerdings recht behalten. Zeitweise hatte die Staatsanwaltschaft wegen mutmaßlicher Marktmanipulation ermittelt, musste die Vorwürfe jedoch fallen lassen.