Börse Gewisse Sorglosigkeit

Frankfurt / Rolf Obertreis 15.05.2017

Nach der Wahl ist vor der Wahl: Auch Börsianer haben nach dem Sieg von Emmanuel Macron aufgeatmet und den Deutschen Aktienindex Dax in der vergangenen Woche auf ein Jahreshoch von 12 783 Punkten getrieben. Aber schon schauen sie mit Skepsis wieder auf den 11. Juni, wenn in Frankreich die Nationalversammlung gewählt wird. Also bewegt sich das Börsenbarometer in den letzten Tagen seitwärts.

Der Blick fällt auf Aktien aus der zweiten Reihe und auf einen vermeintlich neuen Börsenstar. Zocker machten mit der insolventen Solarworld ein gutes Geschäft. Vertrauen gewinnt die Börse dadurch nicht gerade. Auch die Aktie von Air Berlin trägt dazu wenig bei: Zocker setzen auf eine Übernahme durch die Lufthansa. Dann ist da noch Snapchat. Um 23 Prozent stürzte die Aktie ab, nachdem der Quartalsbericht Horrorzahlen erbracht hatte.

Da schauen Anleger und Händler in Frankfurt lieber auf solide deutsche Unternehmen. Nach ansehnlichen Quartalsberichten sind die Aussichten rosig, glaubt DZ Bank-Stratege Christian Kahler. Angesichts eines durchaus erfreulichen wirtschaftlichen Umfeldes erwartet er für 2017 und 2018 deutlich steigende Gewinne. Andreas Hürkamp von der Commerzbank registriert zwar eine zunehmende Sorglosigkeit der Anleger. „Aber angesichts niedriger Renditen am Geld- und Anleihemarkt fehlen Anlage-
alternativen“. „Die Stimmung der Finanzmarktteilnehmer ist ungebrochen gut“, sagt Ralf Umlauf von Landesbank Hessen-Thüringen.