Hamburg Getreidepreise explodieren

In den USA drohen großflächige Missernten. Die Dürre hat - wie hier auf diesem Maisfeld in Wisconsin - für die Farmer bereits verheerende Folgen. Foto: dpa
In den USA drohen großflächige Missernten. Die Dürre hat - wie hier auf diesem Maisfeld in Wisconsin - für die Farmer bereits verheerende Folgen. Foto: dpa
Hamburg / DPA 23.07.2012
Das Wetter wird weltweit immer extremer. In den USA leiden viele Bundesstaaten unter einer anhaltenden Dürre. Das könnte zu Missernten führen. Die Getreidepreise an den Börsen schießen schon nach oben.

Die Krise am Weltmarkt für Getreide spitzt sich zu. Mais ist so teuer wie noch nie und der Getreidepreis hat den höchsten Stand seit eineinhalb Jahren erreicht. Ausgelöst wurde der Preisanstieg durch die schwere Trockenheit in den USA, die einen erheblichen Einfluss auf die Weltmärkte haben. Dort ist bereits mehr als ein Drittel der Maispflanzen verdorrt."EineÄnderung des Wetters ist nicht absehbar", sagte Leon Leschus, Rohstoffexperte beim Hamburgischen Weltwirtschaftsinstitut (HWWI)."Beim Weizen wird die Situation zusätzlich verschärft durch eine Dürre in Russland." Das knappe Angebot lasse die Preise steigen, zudem springen Rohstoffspekulanten an den Börsen auf den Zug.

Mais verteuerte sich in den vergangenen Wochen um 70 Prozent, Weizen um mehr als ein Drittel. Die Preise für Agrarrohstoffe werden nach Einschätzung von Leschus auch mittel- und langfristig eher klettern, weil die Nachfrage sich erhöht."Die Weltbevölkerung steigt, ebenso das Risiko von Missernten durch den Klimawandel." Durch den höheren Wohlstand in den Schwellenländern essen die Menschen dort zudem häufiger Fleisch und warme Mahlzeiten. Das erhöht den Bedarf an Futtermitteln. In den USA mehren sich die Stimmen, weniger Mais für Kraftstoffe einzusetzen und lieber zu verfüttern.

"Die steigenden Preise geben einen Anreiz, auch das Angebot auszudehnen." Speziell dieärmeren Länder benötigten besseres Saatgut, besseren Dünger und eine leistungsfähigere Infrastruktur, um die Ernte einzubringen und zu vermarkten."Am stärksten belastet sind diejenigen Länder, die mit ihrer eigenen landwirtschaftlichen Produktion die Bevölkerung nicht ernähren können und auf Importe angewiesen sind."

Die Verbraucher in Deutschland dürften die hohen Weltmarkt-Preise für Getreide nur in stark abgemilderter Form zu spüren bekommen."Für einen Bäcker oder einen Einzelhändler spielen zum Beispiel Lohnkosten, Mieten oder Energiekosten eine größere Rolle als der Mehlpreis", sagte Leschus.