Mannheim Gelatine ist ein wahrer Alleskönner

In dünnen Fäden wird fertige Gelatinemasse in Eberbach in einem Werk der Gelita AG aus einem Rohr gepresst. Foto: dpa
In dünnen Fäden wird fertige Gelatinemasse in Eberbach in einem Werk der Gelita AG aus einem Rohr gepresst. Foto: dpa
Mannheim / WOLF H. GOLDSCHMITT 05.06.2012
Man kann die Anwendungsgebiete von Gelatine kaum aufzählen, so viele und so verschiedene gibt es davon. Ein Familienunternehmen im Odenwald ist der weltweit führende Hersteller des Alleskönners.

Die Zentrale des Weltmarktführers für Gelatine liegt im Odenwald. Genauer gesagt im Kleinstädtchen Eberbach. Von dort aus regiert Vorstandschef Franz Josef Konert seit eineinhalb Jahren das Imperium des heimlichen Champions mit über 18 Produktionsstandorten weltweit und einem Jahresumsatz von über 500 Mio. EUR.

Und es sollen noch mehr werden für die Gelita AG. Etwa 50 000 Schweine und Rinder werden pro Jahr geschlachtet, um Gummibärchen, Pharmaprodukte und so genannte Ergänzungsstoffe für Nahrungsmittel der Firmengruppe herzustellen. Unter dem Strich stehen inzwischen 500 000 Tonnen Rohstoffe, die zu mehr oder weniger nützlichen Produkten verarbeitet werden.

Die Kollagenproteine - so der biologische Fachbegriff - kommen in Lebensmitteln, in der Pharmaindustrie und in der Fotografie zum Einsatz. Die Vielseitigkeit des Naturprodukt zeigt das breite Spektrum technischer Anwendungsbereiche. Von der Restauration von Bauwerken bis zur Produktion von Zündhölzern meistert Gelatine die unterschiedlichsten Anforderungen. Im Lebensmittelbereich sollen Kollagenproteine die Funktion von Gelenken und Knochen erhalten oder angeblich sogar der Hautalterung entgegenwirken.

Das Geschäft mit Proteinen brummt folglich. Vom Hochleistungssportler, der seine Muskelmasse aufpeppen will bis zum arthrosegeplagten Rentner reicht die Palette der Käufer aus allen Altersgruppen. "Die Nachfrage nach Lebensmittel- und Pharmaanwendungen steigt weiter", sagt der promovierte Politologe an der Spitze des Konzerns. Obwohl die Wirksamkeit mancher Präparate wie Fitnessdrinks, die für teures Geld über die Ladentheke gehen, oftmals umstritten ist, der Trend "Health and Nutrition" bleibt ungebrochen. Besonders in den USA und Asien, wo große Pillenshops den Umsatz kräftig ankurbeln.

Hierzulande sind die Gewichte bislang anders verteilt. Über 60 Prozent der flexiblem Massen werden noch für Süßwaren, Backbedarf, Sülzen oder Yoghurt genutzt. Der Rest der allergenfreien Masse aus Fett, Knochen und Bindegewebe von Tieren fließt in die Pharmasparte und in eine Branche, die von dem Aussterben bedroht ist: die Fototechnik. Hier sei aufgrund der digitalen Fotografie ein deutlicher Abwärtstrend erkennbar, so Konert. Lediglich 5 Prozent des Umsatzes bleiben für diese Sparte übrig.

Doch Gelita kompensiert die Verluste. Selbst die massive Verknappung des "Rohstoffes Rind" in Südamerika und steigende Preise für den "Rohstoff Schweineschwarte" in Europa können das Familienunternehmen in dritter Generation nicht aus der Bahn werfen. Der Umsatz stieg im vergangenen Geschäftsjahr zweistellig auf 510 Mio. EUR, auch der Ertrag klettert. Der Gewinn nach Steuern bleibt Geheimnis der nicht börsennotierten Aktiengesellschaft mit 2500 Mitarbeitern, davon 850 in Deutschland.

Und Franz Josef Konert hat noch große Pläne. Die Umsatzmarke von 600 Mio. EUR will er knacken. Rückenwind geben soll der wachsende Anteil von Senioren. Auf diese Zielgruppe sind viele der Proteinprodukte zugeschnitten. Letztlich könnte der globale Trend nach Wellness, Fitness und Mobilität den Innovationen von Gelita die sprichwörtlichen Flügel verleihen.

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