Wie sieht die Mobilität der Zukunft aus? Wie bewegen wir uns?
Willi Diez: Ich denke, das Auto wird nach wie vor im Mittelpunkt der Mobilität stehen. Vor allem in einem Land wie Deutschland, in dem nach wie vor viele Menschen in ländlichen Regionen leben. Dort ist das Auto unverzichtbar. Die größten Veränderungen werden in Ballungszentren kommen. Bereits jetzt ist der Autobesitz auf dem Rückzug. Nahverkehr und Carsharing, also Autoteil-Konzepte, werden weiter an Bedeutung gewinnen.

Einerseits verzichten viele junge Menschen auf den eigenen Wagen in Großstädten, andererseits fallen in Mode-Bezirken große Geländewagen auf. Wie passt das zusammen?
Autos sind auch Statussymbole. Das zeigen die SUV, also Geländewagen. Der SUV-Absatz ist allerdings in den vergangenen zwei Jahren zurückgegangen. Denn sie sind in der Großstadt unpraktisch - allein schon wegen der Parkplatzsituation. Gefragter sind dann deshalb eher Kompakt-SUV wie etwa VW Tiguan oder Audi Q3.

Einerseits gibt es immer mehr kleinere umweltfreundliche Autos, andererseits feiert ein Hersteller wie Porsche Erfolge. Wird es so bleiben?
Der Verlust der Mitte ist ein gesellschaftlicher Trend. Egal, ob man ihn gut heißt oder nicht. Diese wachsende Kluft zwischen arm und reich. Auf der einen Seite haben wir Marken wie Dacia im unteren Preissegment, die florieren, auf der anderen Seite Luxusmarken wie Porsche, die ebenfalls florieren. Jeder Autohersteller muss sich da richtig positionieren, so dass er nicht in diese Mittelposition kommt, wo der Markt sich eher ausdünnen wird.

Wie ist es mit Carsharing: Nutzen die Hersteller diese Methode, um Kunden an eine Marke zu binden?
Wirklich profitabel ist Car-sharing für die Hersteller nicht. Mit der Idee sollen aber vor allem junge Menschen angesprochen werden. Sie durchlaufen bestimmte Lebensphasen: vom Single, über ein Paar bis hin zu einer Familie, die unter Umständen wegen der Kinder aufs Land zieht und sich dann ein Auto zulegt, weil der Alltag anders nicht zu organisieren ist. Die Hersteller spekulieren darauf, dass der Carsharing-Kunde sich in dieser Phase zum Beispiel an den BMW erinnert, den er früher gefahren hat und sich dann ein Auto dieser Marke kauft.

Wie werden sich die Autos ändern? Fahren sie selbstständig?
Der nächste große Schritt wird sein, dass der Mensch im Auto sitzt und wie der Pilot beim Flugzeug auf den "Autopilot"-Knopf drückt. Das Auto fährt quasi von alleine und der Passagier kann lesen, schlafen oder essen. Es gibt bereits Zulassungen für solche Autos. Auf "You Tube" sind Videos zu sehen, auf denen ein blinder Mann in den USA mit einem Auto fährt - ganz autonom.

Wo ist noch der Haken?
Das Problem bleibt die rechtliche Frage: Wer haftet bei einem Unfall? Am Ende wird die Rechtsprechung daraus hinauslaufen, dass weiterhin der Fahrer verantwortlich ist, obwohl er de facto nicht das Fahrzeug gefahren hat. Dies würde die Bereitschaft, in diesen Autopilot-Modus zu wechseln, hemmen. Dass das Auto eine Art fahrende unbemannte Drohne auf Abruf sein wird, die kommt, mich abholt und zum Ziel bringt und wegfährt, das wird in der überschaubaren Zukunft nicht passieren.

Früher waren Autos Fortbewegungsmittel, mit der Zeit wurden sie aber immer mehr zu einer Art Zweitwohnung: Der Innenraum wird immer wichtiger, die technische Ausstattung ebenfalls.
Es wird sich in dem Bereich noch einiges tun. Schon jetzt kann man beim Fahren im Internet surfen. Weitere technische Möglichkeiten kommen. Allerdings darf man den Fahrer nicht überfordern und zu stark ablenken. Hier stellt sich die Frage: Soll der Hersteller den Fahrer bevormunden, indem die Technik eingreift - etwa wenn er zu schnell fährt und gleichzeitig im Internet surft? Soll das Auto automatisch abbremsen oder überlässt man es dem Fahrer? Das ist eine schwierige Abwägung.

Wie steht es mit den Elektroautos?
Es gab es eine Euphorie. Sobald die ersten Elektroautos auf dem Markt waren, flachte sie ab. Denn man hat gesehen, dass sie relativ teuer sind und eine geringe Reichweite haben. Die Elektroautos sind aber im Kommen: 2030 bis 2040 wird ihr Anteil in Ballungszentren um die 40 bis 50 Prozent sein.

Das Projekt E-Auto stirbt also nicht?
Nein, es fängt erst richtig an. Alle Hersteller arbeiten an der Weiterentwicklung, sei es im Bereich der Batterie oder der Karosserie, die leichter werden muss. Man investiert in die Lade-Infrastruktur, will die Ladezeiten verkürzen. Das Thema erfordert einen langen Atem. Es wird aber unser Leben nachhaltig beeinflussen. Mit der Nutzung der Elektroautos werden zum Beispiel wieder viele Gebiete in Großstädten bewohnbar, etwa an einer Schnellstraße: E-Autos fahren lautlos und sind emissionsfrei.

Zur Person vom 25. März 2014