Meinung Kommentar zur EZB-Chef-Nachfolge: Geboten und sinnvoll

Helmut Schneider.
Helmut Schneider. © Foto: swp
Ulm / Helmut Schneider 24.08.2018
Bundeskanzlerin Merkel hat andere Pläne. Damit scheint Jens Weidmann als künftiger EZB-Präsident aus dem Rennen zu sein.

Dass Jens Weidmann ein aussichtsreicher Kandidat für den Spitzenposten der Europäischen Zentralbank (EZB) war, verwundert nicht. Zum einen ist die Zentralbank, die die Geldpolitik für den Euroraum macht, gewissermaßen nach dem Vorbild der Deutschen Bundesbank geschaffen worden. Außerdem ist Deutschland die größte Volkswirtschaft im europäischen Verbund. Damit steht ein deutscher Bundesbankchef gewissermaßen von Amts wegen ganz oben auf der Besetzungsliste.

Das Gleiche gilt allerdings auch für die EU-Kommission, also für die Juncker-Nachfolge. Sie hat bei Bundeskanzlerin Merkel erste Präferenz. Damit scheint Jens Weidmann aus dem Rennen zu sein. Das mag für ihn persönlich ebenso enttäuschend sein wie für die Hoffnung auf eine härtere Geldpolitik. Es ist aber im gesamteuropäischen Blick geboten und sinnvoll.

Davon abgesehen wäre Weidmanns härtere Gangart inzwischen angebracht. Die EZB sollte die geldpolitischen Zügel anziehen. Die Inflation ist gestiegen, die Zinsen in den USA steigen weiter und die negativen Nebenwirkungen der Niedrigzinsen in Europa werden immer unangenehmer.

Die EZB hat angedeutet, dass sie noch länger am Null-Leitzins festhalten will. Aber Notenbanken demonstrieren ihre Unabhängigkeit gerne mit überraschenden Entscheidungen. Lassen wir uns überraschen.

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