Nach Einschätzung von Frankfurter Forschern haben sich die als Lehre der Finanzkrise 2007/2008 auf breiter Front verschärften Regeln für Banken in der Summe bewährt.

„Unser Fazit: Die Regulierung nach der Finanzkrise hat ihre Begründung, die Maßnahmen wirken, und es zeigt sich in der Folge auch eine Verbesserung der Stabilität im Finanzsektor“, sagte der Finanzwissenschaftler Rainer Haselmann der Deutschen Presse-Agentur in Frankfurt.

In einer im Auftrag des Bundesfinanzministeriums erstellten Studie kommen Haselmann und seine Kollegen am Forschungszentrum SAFE an der Frankfurter Universität allerdings zugleich zu dem Ergebnis, dass die Regulierungskosten sehr hoch sind - gerade für kleinere Institute. „Viele Banken sprechen von „Regulierungswahnsinn““, schilderte Haselmann. „In diese Bewertung werden zum Teil aber auch Dinge wie die Niedrigzinsen oder Trends wie Digitalisierung, die das Filialgeschäft weniger profitabel machen, mit 'reingemischt.“

Dennoch plädieren die Studienautoren für eine Entschlackung mancher Vorgaben. „Angesichts der Vielzahl der Maßnahmen ist es angezeigt zu überprüfen, in welchen Bereichen man Regulierung vereinfachen kann“, sagte Haselmann. „Man könnte zum Beispiel die Komplexität zurückführen, indem man für Banken Anreize schafft, in gewissen Kennzahlen einen Wert freiwillig zu übersteigen - zum Beispiel beim Eigenkapital - und diese Institute dann an anderer Stelle entlasten.“

Banken müssen heute deutlich dickere Eigenkapitalpolster haben, um für mögliche Schieflagen vorzusorgen. Institute in Not sollen in der Regel nicht mehr mit Steuermilliarden gerettet werden. Verschärft wurden auch die Regeln für die Auszahlung von Boni, damit Banker nicht wegen falscher Anreize mehr riskante Geschäfte machen.

Nach einer Analyse der Bilanzdaten von 858 deutschen Banken für die Jahre 2010 bis 2016 kommen die Forscher zu dem Ergebnis: Deutschlands Banken sind heute besser in der Lage, mögliche Risiken zu verkraften. „Die Wahrscheinlichkeit von Verlusten, die das Eigenkapital der Banken übersteigt, ist gesunken und ebenso die Höhe der etwaigen über das Eigenkapital hinausgehenden Verluste“, heißt es in der Studie.

In einigen Bereichen gebe es allerdings noch Reformbedarf, schreiben die Autoren: etwa bei einer europaweit einheitlichen Regulierung der Risiken von Staatsanleihen oder beim Umgang mit sogenannten notleidenden Krediten, also Krediten, bei denen die Schuldner Schwierigkeiten mit der Rückzahlung haben.

Zudem sei „noch nicht eindeutig genug geregelt, dass Banken in Schieflage nicht mehr mit Steuergeldern gerettet werden“, sagte Haselmann. „Das System zur Abwicklung von Instituten muss noch nachgeschärft werden. Eine Trennung von Staat und Banken halten wir für ganz wichtig.“

Ein Fragezeichen machen die Studienautoren hinter die Sinnhaftigkeit der regelmäßigen großangelegten Krisentests für Europas Banken unter Federführung der Bankenaufsicht EBA. „Wir halten es für geboten, den EBA-Stresstest klar zu hinterfragen“, sagte Haselmann. „Diese Tests sind extrem aufwendig und am Schluss ist die Aussagekraft der Ergebnisse solcher Szenarien immer sehr fraglich - gerade was die Vergleichbarkeit der einzelnen Ländern angeht.“

Die Bundesregierung hatte sich im Sinne einer Förderung des Finanzplatzes Deutschland vorgenommen, sich für eine „zielgenaue, wirksame und angemessene Finanzmarktregulierung“ einzusetzen. In ihrem Koalitionsvertrag hielten Union und SPD weiterhin fest: „Dort, wo es notwendig ist, werden wir auf eine Nachjustierung auch auf europäischer und internationaler Ebene hinwirken. Wir wollen dabei insbesondere kleine Institute entlasten, soweit von ihnen geringe Risiken für die Finanzstabilität ausgehen.“