Wirtschaft 4.0 Fluch des wirtschaftlichen Erfolgs

Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut
Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut © Foto: dpa
Stuttgart / Thomas Veitinger 06.05.2017

Schattenseiten des Erfolgs sind ausgerechnet an dem wichtigen Thema Digitalisierung zu sehen. „Wirtschaftlich stehen wir top, top, top da“, sagt der Technologiebeauftragte der Landesregierung Wilhelm Bauer. „Ich treffe Mittelständler, die wegen der guten Auftragslage sogar sonntags arbeiten.“ Für Digitalisierung bleibe deren Meinung nach keine Zeit. Dies sei ein Versäumnis, das beinahe jeden fünften Job gefährde. Wirtschaft 4.0 biete 100 bis 150 Mrd. € Volumen.

Um die Wirtschaft und die Beschäftigten bei der Digitalisierung zu unterstützen, startete deshalb gestern die „Initiative Wirtschaft 4.0 Baden-Württemberg“. Mehr als 20 Partnerorganisationen aus Unternehmen, Kammern und Verbänden, Gewerkschaften, Wissenschaft und Politik möchten aufklären, Aktivitäten bündeln, Gründungen ermöglichen, Infrastruktur ausbauen. „Wir wollen die Leuchttürme zum Strahlen bringen“, wünscht sich Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut.

„Wir müssen wesentlich aktiver sein“, mahnt die Ministerin. „Wir dürfen uns die digitale Souveränität nicht aus der Hand nehmen lassen.“ Silicon Valley etwa besetze auch Felder auf dem für das Land so wichtigen Thema Mobilität. Wichtig sei vor allem der Mittelstand.

Zehn Handlungsfelder werden ausgemacht. Eines davon: Sicherheit. „Die Gesellschaft muss die Digitalisierung mittragen. Von dem neuen Informatikunterricht ab der 7. Schulklasse verspreche ich mir viel“, sagt Hoffmeister-Kraut. Martin Kunzmann, DGB-Landesvorsitzender fordert dazu auf, die Mitarbeiter und Interessensvertreter nicht zu vergessen und zu qualifizieren. Konkret sollen Digitalisierungszentren auf dem flachen Land entstehen. Digitialiserungsprämien werden an kleine Mittelständer fließen. Innovationsgutscheine dienen digitaler Forschungs- und Entwicklung. Ein Ideenwettbewerb fördert etwa Querschnittsthemen wie IT-Sicherheit.

Es dürften aber nicht nur Gefahren gesehen werden, sagt Rainer Reichhold, Präsident des Handwerkstags Baden-Württemberg: „Gerade für das Handwerk ist Digitalisierung eine große Chance.“

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