Kommentar Helmut Schneider zur hohen Inflation in der Türkei Falsches Verständnis

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Ulm / Helmut Schneider 04.08.2018

Die Türkei, vor wenigen Jahren noch ein wirtschaftlich aufblühendes Land mit prosperierenden Großstädten („anatolische Tiger“), steckt in der Inflationsfalle. Dorthin hineingetrieben hat es der Mann, der zuvor den wirtschaftlichen Aufstieg mit ermöglicht hat: Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan.

Mit seinem falschen Verständnis von Geldpolitik hat er vor zwei Jahren, als der Kurs der Lira fiel, nicht die richtigen Schlüsse gezogen. Mit Zinserhöhungen hätte die Notenbank gegensteuern sollen. Höhere Zinsen bremsen aber tendenziell das Wirtschaftswachstum – was der autokratische Präsident leider verhinderte.

Das zuvor mit niedrigen Zinsen angefachte Wirtschaftswachstum trug – wie das immer so ist – das Risiko in sich, dass die Kreditgeber zu zweifeln beginnen, ob das Modell auch langfristig trägt. Es kam, wie es kommen musste: Die Flucht aus der Lira führt zum Kursverfall. Weil die Türkei aber viel mehr aus dem Ausland importiert als exportiert, verteuern sich die Lebenshaltungskosten.

Die Waffe zur Inflationsbekämpfung, zu der die türkischen Zentralbanker letztlich doch greifen musste, greift nicht mehr: Die hektisch erhöhten Zinsen bleiben ohne Wirkung. Die extreme Inflation trifft Erdogans Landsleute mit Wucht – und seine Beliebtheit bei den Wählern über kurz oder lang ins Mark.     

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