München/Wiesbaden Euro-Krise bremst deutsche Wirtschaft

DPA 25.05.2012
Die Unsicherheiten im Euro-raum haben deutsche Wirtschaft negativ beeinflusst. Der Ifo-Index ist überraschend deutlich gefallen.

. Die wieder aufgeflammte Euro-Schuldenkrise hat der Stimmung in der deutschen Wirtschaft im Mai einen unerwartet kräftigen Dämpfer verpasst. Der Ifo-Geschäftsklimaindex fiel überraschend auf den tiefsten Stand seit einem halben Jahr. Volkswirte erwarten zwar gebremstes Wachstum, aber keinen Absturz. Noch zu Jahresbeginn hatten kauflustige Verbraucher und die starke Exportindustrie Europas Konjunkturlokomotive Deutschland wieder in Fahrt gebracht.

Gegenüber dem Vorquartal stieg das Bruttoinlandsprodukt (BIP) preis-, saison- und kalenderbereinigt um 0,5 Prozent, bestätigte das Statistische Bundesamt gestern vorläufige Zahlen. Motor waren der Export mit plus 1,7 Prozent und der private Konsum mit plus 0,4 Prozent. Die Investitionen in Maschinen, Geräte und Fahrzeuge wurden dagegen um 0,8 Prozent zurückgefahren.

Die Unternehmen beurteilten im Mai sowohl ihre aktuelle Geschäftslage als auch ihre Aussichten für die nächsten Monate deutlich schlechter. Nach sechs Anstiegen in Folge fiel der Ifo-Index von 109,9 auf 106,9 Punkte. "Die deutsche Wirtschaft steht unter dem Eindruck der in letzter Zeit gestiegenen Unsicherheit im Euroraum", erklärte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn in München. Für Ifo-Konjunkturexperte Gernot Nerb ist die deutliche Korrektur "ein Signal, dass die Firmen vorsichtiger werden". Die Nachfrage in der Industrie sank, und auch der Einzelhandel spürt plötzlich Gegenwind. "Das ist zumindest ein erheblicher Dämpfer. Aber es ist zu früh, schon die Trendwende auszurufen", sagte Nerb. Die Wirtschaftsforscher sehen sich sogar bestärkt in ihrer Wachstumsprognose von 0,9 Prozent in diesem Jahr: "Wie im ersten Quartal konnte es ja nicht weitergehen, sonst hätten wir ja über 2 Prozent Wachstum."

In der Industrie ist die Auftragslage noch gut, "sie bröckelt aber etwas ab", wie Nerb sagte. Die Produktion verlangsamt sich. Die Nachfrage im Inland ließ nach. Die Exporterwartungen verbesserten sich zwar, der schwächere Euro beflügelt das Geschäft in Amerika, Asien und Russland, aber sie konnten die Inlands-Delle nicht ganz ausgleichen. Die Personalplanung ist erstmals seit Monaten defensiv. Überrascht zeigten sich die Ifo-Wirtschaftsforscher vom Einbruch im Einzelhandel.