Kommentar Helmut Schneider zu steigenden Zinsen in den USA Euer Dollar, euer Problem

Foto: SWP
Foto: SWP © Foto: SWP
Helmut Schneider 24.07.2018

Ein Spruch des US-Wirtschaftsministers John Connally hat vor vier Jahrzehnten Berühmtheit erlangt und gilt bis heute: „Der Dollar ist unsere Währung, aber euer Problem.“ Er brachte damit den Hochmut seines Landes gegenüber dem Ausland zum Ausdruck. Nicht unbegründet: Der US-Dollar ist bis heute unangefochten Welt-Leitwährung Nummer eins.

Das bedeutet unter anderem, dass sich die USA tendenziell einfacher und vor allem zinsgünstiger verschulden können als andere. US-Staatsanleihen werden vor allem von China gekauft – das auf diese Weise zum Hauptgläubiger der Amerikaner geworden ist.

Damit hat die aufstrebende Weltmacht allerdings eine Waffe in der Hand, mit der sie den wirtschaftspolitisch irrlichternden US-Präsident Donald Trump scherzhaft treffen kann. Würde Peking im großen Stil seine US-Staatsanleihen auf den Markt werfen, müssten die Zinsen für die Finanzierung der riesigen US-Staatsschulden steigen – und Trumps wirtschaftliche Bilanz bedrohen.

Der US-Präsident, der sich um solche Wechselwirkungen nicht zu kümmern scheint, wird sich darum kümmern müssen, wenn seine Leitwährung unter Druck geraten sollte. Anders als vor vier Jahrzehnten wären es dann Chinesen, Russen und Europäer, die Trump entgegnen könnten: Der Dollar ist eure Währung und euer Problem.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel