Berlin Erfolgreicher Strippenzieher

Ist bekannt für sein gutes Netzwerk: Heinrich Haasis. Sein Nachfolger ist Georg Fahrenschon.
Ist bekannt für sein gutes Netzwerk: Heinrich Haasis. Sein Nachfolger ist Georg Fahrenschon.
Berlin / DIETER KELLER 22.05.2012
Nach sechs bewegten Jahren übergibt Heinrich Haasis das Präsidentenamt beim Deutschen Sparkassen- und Giroverband an Georg Fahrenschon.

Die Sparkassen sind eine gern unterschätzte Macht in Deutschland. Nicht bei der Bundeskanzlerin: Angela Merkel gibt sich die Ehre, heute beim Stabwechsel des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands die Lobesrede auf Heinrich Haasis zu halten. Nach sechs Jahren übergibt der Schwabe das Präsidentenamt an den Bayern Georg Fahrenschon.

Als Haasis 2006 antrat, hatte er sich eher darauf eingerichtet, die Konflikte innerhalb des Verbandes zwischen Landesbanken und Sparkassen zu lösen sowie das Sparkassenlager gegen die Privatbanken zu verteidigen. Doch die Finanzkrise lenkte seine Aufgaben sehr bald in eine ganz andere Richtung. Die Landesbanken wurden zu einer notleidenden Gruppe, deren Notwendigkeit immer wieder in Frage gestellt wird. Die 426 Sparkassen dagegen haben die Krise gut gemeistert, ja sie erfuhren eine Renaissance: Firmen- wie Privatkunden lernten die Vorteile der überschaubaren, in der Region verwurzelten Kreditinstitute wieder zu schätzen. Auch die Politik habe registriert, "dass wir ein Hort der Stabilität sind", stellte Haasis im Nachhinein befriedigt fest.

Das regionale Geschäft kannte Haasis, 1945 in Streichen bei Balingen geboren, nur zu gut: Nach je zehn Jahren als Bürgermeister in Bisingen und Landrat des Zollernalbkreises wurde er 1991 Präsident des Württembergischen und später des Baden-Württembergischen Sparkassenverbands. Auch in der Politik zog er kräftig Strippen: 25 Jahre lang saß er im Landtag; fast ebenso lange war er CDU-Fraktionsvize.

Sein gutes Netzwerk bewährte sich nach seinem Wechsel auf die Bundesebene, als die Sparkassen Mitte 2007 die Landesbank Berlin übernahmen. So verhinderte Haasis erfolgreich, dass das rote Sparkassen-S auch für eine Privatbank steht. Eine offene Baustelle bleiben dagegen die Landesbanken: Es gibt immer noch acht, auch wenn die West LB praktisch abgewickelt wird. Mittelfristig geht Haasis davon aus, dass nur zwei überleben.

Ganz in den Ruhestand zieht sich der umtriebige Haasis noch nicht zurück: Er wurde gerade zum Welt-Sparkassenpräsidenten gewählt, ein Ehrenamt, in dem er drei Jahre lang weltweit für das Erfolgsmodell der Sparkassen werben will.

Auch sein Nachfolger kennt das politische Geschäft bestens: Fahrenschon, mit 44 Jahren der jüngste Sparkassen-Präsident, war zuvor Bayerischer Finanzminister, bis es ihn nervte, ewiger Kronprinz des unberechenbaren Horst Seehofer zu sein. Von 2002 bis 2007 saß der Diplom-Ökonom für die CSU im Bundestag und machte sich als Finanzexperte einen Namen. Jetzt soll er für frischen Wind bei der Sparkassen-Gruppe sorgen, in der mit 360 000 Mitarbeitern über 44 Prozent aller Beschäftigten des Kreditgewerbes arbeiten.

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