Peking Erdbeeren zum Erbrechen aus China

Arbeiter in einer chinesischen Fabrik in Rizhao schütten tiefgefrorene Erdbeeren für den Export auf ein Förderband. Foto: dpa
Arbeiter in einer chinesischen Fabrik in Rizhao schütten tiefgefrorene Erdbeeren für den Export auf ein Förderband. Foto: dpa
Peking / FELIX LEE 10.10.2012
Der massenhafte Brechdurchfall von Schulkindern wurde durch Obst aus China ausgelöst. Das Land der Mitte ist einer der großen Frucht-Exporteure, hat aber Probleme mit der Lebensmittelsicherheit.

Die Noroviren, die bei mehr als 11 000 Kindern und Jugendlichen vergangene Woche in den ostdeutschen Bundesländern Brechdurchfall ausgelöst haben, befanden sich in tiefgekühlten Erdbeeren des Catering-Unternehmens Sodexo. Die Herkunft dieser Erdbeeren hat das Robert-Koch-Institut auch ermittelt: China.

So mancher fragt sich: Wieso werden die kleinen roten Früchtchen über den halben Kontinent geschifft und landen dann auf dem Teller deutscher Schulkinder? Die Frage ist einfach zu beantworten: Wegen der geringen Kosten. Nach Angaben eines Mitarbeiters eines bekannten deutschen Marmeladenherstellers sind eine Tonne chinesischer Erdbeeren bereits für 600 EUR zu bekommen. Deutsche Erdbeeren würden mehr als das dreifache kosten. Spanischen Erdbeere kommen auf mehr als den doppelten Preis.

Kein Wunder, dass inzwischen rund 80 Prozent aller in der Nahrungsindustrie verbrauchten Erdbeeren aus der Volksrepublik stammen. Das fällt nicht auf, weil sie zumeist in Form von Marmelade, Gelee, Kompott oder Geschmackverstärker in Joghurts, Süßigkeiten, Backwaren oder Eiscreme auftauchen. Auf der Verpackung muss nicht angegeben werden, woher der Obstanteil kommt. Erdbeeren aus China gibt es daher fast in jedem deutschen Haushalt.

Und damit nicht genug: Ein Großteil des Apfelsaftkonzentrats in Deutschland stammt ebenso aus China wie Dosenmandarinen, aber auch Knoblauchknollen und Blattspinat. Chinas Unruheprovinz Xinjiang im Westen des Landes hat sich bereits vor einiger Zeit zum weltweit zweitgrößten Tomatenproduzenten gemausert und ist weltgrößter Hersteller von Ketchup und Tomatenmark. Die Entwicklungshilfeorganisation Südwind schätzt, dass 37 Prozent der weltweiten Obst- und Gemüseproduktion aus dem Reich der Mitte stammt.

Dabei kommt es gerade in China immer wieder zu Lebensmittelskandalen, mit der Folge dass auch die meisten Chinesen Produkten aus ihrem eigenen Land nicht mehr trauen. Wer es sich in Städten wie Peking und Schanghai leisten kann, kauft in Geschäften Produkte aus dem Ausland.

Der chinesischen Führung sind die Probleme bewusst. Sie hat vor einiger Zeit strenge Verordnungen erlassen, die sich mit denen in den EU-Ländern messen können. Es hapert aber an der Umsetzung.

Nun sind Seuchen wie der Norovirus keineswegs nur ein chinesisches Problem. Der Norovirus kann überall auftauchen. Was Früchte aus China anfälliger macht als Obst und Gemüse aus EU-Anbau: In der Volksrepublik wird immer noch mit Jauche gedüngt. "Das wiederum hängt mit der Struktur der chinesischen Landwirtschaft zusammen", erklärt Liu Xiaojing von Orient Agribusiness, einer Beratungsfirma in Peking spezialisiert auf Landwirtschaft. Bei den Obstbauern handele es sich oft um Kleinbauern, die sich qualitativ hochwertige Düngemittel nicht leisten könnten und weiter auf Fäkalien ihrer Viehzucht setzten. Angesichts ihrer Vielzahl sei es nicht einmal für die chinesischen Zwischenhändler nachvollziehbar, von wem sie welche Früchte bekommen haben. Firmen wie Sodexo, die Früchte und andere landwirtschaftliche Produkte aus China beziehen, ist mit solchen Erklärungen wenig geholfen. Nach dem deutschen Produkthaftungsgesetz müssen sie für Fehler in den von ihnen angebotenen Produkten geradestehen.