Die Energie Baden -Württemberg (ENBW), Deutschlands drittgrößter Stromversorger, will sich neu ausrichten, weil mit der konventionellen Energieerzeugung kaum noch Geld verdient wird. Bis 2020 will der Karlsruher Energieversorger allein in den Ausbau der Windenergie rund 3,5 Mrd. EUR stecken. Der regenerative Anteil des lange auf Atomstrom fixierten Unternehmens steigt dann von derzeit 12 auf 40 Prozent.

Weitere 2 Mrd. EUR sollen in die großen Transportnetze, 1 Mrd. EUR in den Ausbau der Verteilnetze fließen. Vorstandschef Frank Mastiaux versichert, der Umbau des Unternehmens gehe nicht mit dem Abbau weiterer Stellen einher.

Viele Faktoren bedingten eine Neuausrichtung, nicht zuletzt der anhaltende Ausbau erneuerbarer Energien. Dabei werden die einstigen Kunden mehr und mehr zu Lieferanten: Rund die Hälfte der Anlagen für regenerativen Strom liegt im Besitz von Privatleuten und Landwirten. Der sich verändernde Markt schlägt sich auch in stetig sinkenden Gewinnen nieder: Im vergangenen Jahr war der Gewinn gegenüber 2010 um ein Drittel abgesackt auf nur noch 650 Mio. EUR. Treffen die gestern vorgestellten Prognosen zu, würde die ENBW am Ende des Jahrzehnts wieder bei 2,5 Mrd. EUR Jahresgewinn liegen.

Einen Teil der geplanten Investitionen will Mastiaux durch den Verkauf von Beteiligungen finanzieren. Die Maßzahl liegt bei 2,5 Mrd. EUR: "Diese Zahlen sind realistisch machbar", so Finanzchef Thomas Kusterer, "diese Summe benötigen wir". Konkrete Projekte nennt er allerdings nicht. Vor allem aus der konventionellen Stromerzeugung will sich die ENBW verabschieden, allein dafür werden Desinvestitionen von rund 1,7 Mrd. EUR veranschlagt.

Dieser Rückzug betrifft nicht-strategische Beteiligungen außerhalb des Kernmarktes Baden-Württemberg. Knapp 1 Mrd. EUR soll aus dem Verkauf von Verteilnetzen erzielt werden, obwohl der Konzern gleichzeitig in nahezu identischer Höhe in andere Verteilnetze vor allem in Partnerschaft mit Kommunen investieren möchte. Dies diene der Integration der Vielzahl von Kleinstanlagen und sichere eine hohe Versorgungsqualität.

Wo, was und wie verkauft wird, verschweigt Mastiaux noch. Am 6. Juni hatte der Aufsichtsrat seine grundsätzliche Zustimmung für den Konzernumbau gegeben, gestern wurden die Mitarbeiter informiert, und nun laufen Gespräche mit den Arbeitnehmervertretungen. Die sollen noch vor den Sommerferien abgeschlossen werden, danach werde man konkreter.

Dieser Zeitplan gilt dem Manager, der im vergangenen Jahr von der grün-roten Landesregierung ins Amt geholt wurde, als ehrgeizig. Denn die ENBW umfasst mehr als 350 Beteiligungsgesellschaften, davon sind rund 100 voll konsolidiert. Allein 100 Mitarbeiter sitzen in konzerninternen Aufsichtsräten. Dieses Konglomerat will Mastiaux entschlacken und Gesellschaften, die nicht aus juristischen Gründen selbstständig sein müssen, zusammenführen. Dabei würde aber kein Personal überflüssig.

Zum Verkauf des Gasnetzes wollte sich Mastiaux gestern nicht äußern, auch dies könne durchaus passen in die Strategie des Konzerns, der sich ohne Wenn und Aber zur Energiewende bekenne.

Die Landesregierung lobte die Pläne gestern: Umweltminister Franz Untersteller (Grüne) wertet den Ausbau der Windkraft als "deutliches als Signal für den Aufbruch des Unternehmens in die Zukunft."

Sinkende Gewinne