Die Kauflust der Verbraucher hat dem deutschen Einzelhandel zum Jahresbeginn das kräftigste Umsatzplus seit Juni 2010 beschert. Im Januar stiegen die Umsätze im Vergleich zum Vorjahresmonat real, also unter Berücksichtigung der Preisentwicklung, um 5,3 Prozent und nominal um 4,1 Prozent, wie das Statistische Bundesamt mitteilte.

Wachstumstreiber war der Internet- und Versandhandel, der im Januar auf Jahressicht Zuwachsraten von real 14,0 Prozent erzielte. Binnen Monatsfrist hatten die Händler preisbereinigt 2,9 Prozent mehr in den Kassen. Dies ist das größte Wachstum seit Januar 2013. Analysten hatten mit einem Zuwachs um nur 0,4 Prozent gerechnet.

"Angesichts wachsender Zuversicht und steigender Realeinkommen öffnen die deutschen Haushalte endlich ihre Geldbörsen - zumal Sparanreize fehlen", sagte Christian Schulz, Volkswirt beim Bankhaus Berenberg. Es deute alles darauf hin, dass der private Konsum auch 2015 ein wesentlicher Treiber des deutschen Wirtschaftswachstums bleibe.

Im vergangenen Jahr wuchs der deutsche Online- und Versandhandel allerdings nur im Gleichtakt mit dem Einzelhandel insgesamt. Der Umsatz von Waren und Dienstleistungen im Distanzhandel erhöhte sich um 2 Prozent auf 60 Mrd. EUR, teilte der Bundesverband E-Commerce und Versandhandel Deutschland (BEVH) mit. Damit liegt das Wachstum deutlich unter dem der Vorjahre und den Prognosen des Verbandes zum Jahresanfang. 2015 erwartet der Versandhandel 5 Prozent Wachstum.

Derweil hat das Hamburgische Weltwirtschaftsinstitut (HWWI) seine Wachstumsprognose für Deutschland deutlich von 1,3 auf 1,9 Prozent angehoben. Die steigende Beschäftigung und ein geringer Preisdruck führten laut HWWI zu einem deutlichen Anstieg der Konsumausgaben der privaten Haushalte. Die stark gefallenen Energiepreise und der schwächere Außenwert des Euro würden ebenfalls zur der konjunkturellen Dynamik beigetragen.