Schlecker  Schlecker-Prozess: Einblicke in ein fallendes Imperium

Sagte gestern aus: Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz.
Sagte gestern aus: Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz. © Foto: dpa
Stuttgart / dpa 17.07.2017
Schlecker:  Was hat die Abwärtsspirale bis hin zur Pleite überhaupt in Gang gesetzt? Das zeigt der Insolvenzverwalter auf.

 Wenn es denn den einen entscheidenden Fehler gab, der das Schlecker-Imperium zusammenbrechen ließ, dann ist es wohl das Festhalten am Ladenkonzept gewesen. Kleine, enge, für die Kunden unattraktive Filialen – und davon immer mehr. Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz aus Neu-Ulm hat am Montag als Zeuge vor Gericht aber noch viele andere Punkte gefunden, die aus seiner Sicht zum Aus für Europas einst größte Drogeriemarktkette geführt haben.

Fünf Jahre ist das her, und seitdem ist Geiwitz der Herr über die Zahlen. Ein Verkauf der tausenden Filialen scheiterte, seit Mitte 2012 sind die Läden dicht.Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft drohte spätestens Ende 2009 die Zahlungsunfähigkeit. Schlecker, der den Vortrag des Verwalters ohne sichtbare Regung verfolgt, soll über die Lage im Bilde gewesen sein. Er selbst weist den Vorwurf zurück und beteuert, bis zuletzt selbst an eine mögliche Rettung geglaubt zu haben.

Konkret geht Geiwitz auf den Vorwurf in seinen Aussagen nicht ein, stattdessen gibt er einen Einblick in das, was er bei seinem Antritt vorgefunden hat: „Die Philosophie von Anton Schlecker war immer, durch extreme Größenvorteile Preisvorteile zu erreichen.“  Billig allein aber zieht irgendwann nicht mehr. Schlecker verlor massiv Kunden.

Als Reaktion macht Schlecker noch mehr Läden auf, um die Einkaufspreise noch weiter drücken zu können, doch die Strategie schlägt fehl. Mit einem Minus von mehr als 200 Millionen Euro im Jahr 2011 geht das Unternehmen Anfang 2012 in die Insolvenz. Mehr als eine Milliarde Euro an Forderungen haben die Gläubiger angemeldet. Was am Ende für sie  herausspringt, und was der Prozess dazu beiträgt, ist unklar. Geiwitz will über Schadenersatzklagen bei Lieferanten im besten Fall 300 Millionen Euro eintreiben, die dann in die Insolvenzmasse fließen. Aus ihr werden auch die ehemaligen Schlecker-Mitarbeiter bedient.

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