Insolvenz Ein weiterer Zeuge belastet Anton Schlecker

Christa Schlecker kann mit einer Einstellung des Verfahrens gegen sie rechnen.
Christa Schlecker kann mit einer Einstellung des Verfahrens gegen sie rechnen. © Foto: dpa
Stuttgart / dpa 23.05.2017

Im Bankrott-Prozess gegen Ex-Drogeriemarkt-Chef Anton Schlecker hat ein Zeuge den Vorwurf umstrittener Geschäfte über eine Firma von Schleckers Kindern bekräftigt. Nach seiner Kenntnis habe Schlecker selbst entschieden, Stundensätze für die Logistikfirma LDG 2011 anzuheben, sagte deren früherer Geschäftsführer vor dem Stuttgarter Landgericht. Besagte Firma gehörte den mitangeklagten Schlecker-Kindern Meike und Lars. Die Staatsanwaltschaft wirft ihrem Vater vor, über die LDG Millionenbeträge an die Familie verschoben zu haben.

Formal gesehen war die LDG eine eigenständige Firma und keine Konzerntochter. Dass ein Konzern einem Dienstleister freiwillig mehr zahlt, ist laut Staatsanwaltschaft ein Beleg, dass Schlecker entsprechende Finanzmittel verschob. Die Stundensätze lagen bis 2011 bei 28,50 € und stiegen dann auf bis zu 30 €. Laut Gerichtsdokumenten hätte ein Stundensatz von nur etwa der Hälfte zur Kostendeckung gereicht.

Der Zeuge war bis 2012 – dem Jahr der Schlecker-Pleite  – LDG-Geschäftsführer. Die Frage des Richters, ob er sich gewundert habe über die hohen Stundensätze, verneinte er. „Ich habe mich gefreut, weil meine Aufgabe war, das Unternehmen rentabel zu gestalten.“

Mögliches Verfahrensende

Die Frau des früheren Drogeriemarkt-Chefs kann in dem Prozess mit einer Einstellung des Verfahrens gegen sie rechnen. Der Vorwurf der Beihilfe zum Bankrott gegen Christa Schlecker sei auf Basis der bisherigen Zeugenaussagen nicht zu beweisen, so der Vorsitzende Richter.

Der Vorwurf gegen sie bezog sich auf eine Zahlung von 60 000 €, die sie am 1. Juni 2012 für eine Beratertätigkeit erhielt. Da lief das Insolvenzverfahrenbeim Schlecker-Konzern bereits seit gut fünf Monaten. Laut Zeugen habe Christa Schlecker durchaus für ihr Beraterhonorar gearbeitet, auch wenn es üppig ausgefallen sei. Zudem habe sie im Insolvenzverfahren einen Großteil zurückgezahlt.

Themen in diesem Artikel
Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel