Sein ganzes Berufsleben hat er der Deutschen Bank gewidmet. Er hat es vom Lehrling bis zum Vorstandssprecher des Instituts von 1997 bis 2002 gebracht, war Chef des Aufsichtsrats. Und doch verbinden viele mit dem Namen Rolf Breuer nur einen einzigen Satz. „Was alles man darüber lesen und hören kann, ist ja, dass der Finanzsektor nicht bereit ist, auf unveränderter Basis noch weitere Fremd- oder gar Eigenmittel zur Verfügung zu stellen.“

Breuer, der morgen seinen 80. Geburtstag feiert, sagte diesen Satz im Februar 2002 in einem Interview mit dem Finanzsender Bloomberg. Gemünzt war er auf den Medienunternehmer Leo Kirch, der damals in finanziellen Schwierigkeiten steckte. Das war in der Finanzszene bekannt. Breuer hatte nichts Neues gesagt. Und trotzdem war es zu viel.

Kirch verklagte Breuer und die Deutsche Bank. „Erschossen hat mich der Rolf“, behauptete der Medienunternehmer damals, der tatsächlich wenige Wochen später pleite war. Heerscharen von Anwälten und Richtern waren und sind mit der Causa Kirch bis heute beschäftigt.

„Mir ist Unrecht geschehen“

Die Deutsche Bank zahlte 2014 mehr als 900 Mio. € an die Kirch-Gruppe. Breuer und andere Banker wurden wegen angeblichen Betrugs angeklagt und freigesprochen. Doch die Münchner Staatsanwaltschaft hat Revision eingelegt. Wann der Bundesgerichtshof entscheidet, ist offen.

Offen ist auch,  wann der promovierte Jurist die 3,2 Mio. € zahlt, auf die er sich mit der Bank als Beteiligung am Schaden verständigt hat –  ohne irgendeine Schuld anzuerkennen. Aktionäre haben Widerspruch eingelegt.

„Mir ist Unrecht geschehen“, sagt Breuer heute. „Damit muss man fertig werden.“ Ein bis zwei Tage in der Woche geht er noch in sein Büro. Das Bankgeschäft hält er heute für zu kompliziert und fürchtet, dass es eher noch schlimmer wird – als Folge der verschärften Regulierung. Banker ist für den gebürtigen Bonner heute kein unbedingt erstrebenswerter Beruf mehr: „Die goldenen Zeiten sind vorbei.“

Er hat die Internationalisierung und das Investmentbanking der Deutschen Bank vorangetrieben. Die später unter der Verantwortung seiner Nachfolger aufgetretenen Verfehlungen und Skandale, die die Bank fast 20 Mrd. € gekostet haben, seien keine zwangsläufige Folge dieser Expansion gewesen, sagt Breuer.

Im Frühjahr 2000 musste er seine größte Niederlage hinnehmen: Die Fusion mit der Dresdner Bank zum weltweit größten Geldhaus scheiterte am Widerstand der Investmentbanker.

2006 verabschiedet sich Breuer nach 50 Jahren von der Deutschen Bank. Der ehemalige „Mr. Finanzplatz“ ist heute Vorsitzender der Gesellschaft für Kapitalmarktforschung, die an der Goethe-Universität angesiedelt ist. Breuer betreut darüber hinaus viele kulturelle Engagements in Frankfurt.