Ulm Ein politischer Kammerpräsident

Der Präsident des baden-württembergischen IHK-Tags Peter Kulitz blickt trotz guter Konjunktur etwas skeptisch in die Zukunft, besonders wegen der Energiewende. Foto: Matthias Kessler
Der Präsident des baden-württembergischen IHK-Tags Peter Kulitz blickt trotz guter Konjunktur etwas skeptisch in die Zukunft, besonders wegen der Energiewende. Foto: Matthias Kessler
Ulm / FRANK KÖNIG 11.04.2012
Der Erfolg bei der Volksabstimmung zu S 21 war für den baden-württembergischen IHK-Präsidenten Peter Kulitz kein Triumph, sondern eine Sache der Vernunft. Heute wird der Ulmer Unternehmer 60 Jahre.

Sein Einsatz für Stuttgart 21 hat sich gelohnt. Das Ausstiegsgesetz der Landesregierung wurde in Ulm mit 69 Prozent abgelehnt. Das erfüllt den Präsidenten der Industrie- und Handelskammer, der seit 2011 auch Präsident des baden-württembergischen IHK-Tages ist, zwar mit Stolz. Von einem Triumph will Peter Kulitz jedoch nicht reden: "Das ist eine völlig falsche Kategorie." Es habe letztlich die wirtschaftliche Vernunft gesiegt.

Dennoch ist Kulitz durchaus emotional an die Sache herangegangen, hat die "Ja"-Buttons zu S 21 kurzfristig durch "Nein"-Anstecker für die Volksabstimmung ersetzt und sich mit der IHK Ulm einen Rechtsstreit wegen der massiven Unterstützung von Schnellbahntrasse und Tiefbahnhof eingehandelt. Dabei hat er zunächst verloren und bekam einen Maulkorb verpasst. Für den gelernten Anwalt wäre es ein "Kunstfehler" gewesen, kein Rechtsmittel einzulegen, so dass die Sache nun mit besseren Aussichten an den Verwaltungsgerichtshof Mannheim geht.

Kulitz hat nie einen Hehl daraus gemacht, dass er sich als "politischen Präsidenten" betrachtet und gewillt ist, Klartext zu reden. Er fordert auch seine Unternehmerkollegen auf, sich in die gesellschaftliche Debatte einzumischen, und ist an der Gründung eines Lehrstuhls für die politische Kommunikation von Familienunternehmen an der Zeppelin-Universität in Friedrichshafen beteiligt. Ein weiteres Anliegen: die bessere Integration von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund, die sich mit der deutschen Sprache schwer tun.

In Ulm hat sich Kulitz seit jeher für Bildungsthemen stark gemacht. Eines seiner ersten Projekte nach der Wahl 2003 war die Gründung der internationalen Schule. Nächstes Jahr läuft seine Amtszeit nach zwei Perioden à fünf Jahren aus. Auf Landesebene kann er noch eine zweite Amtsperiode dranhängen.

Das Netzwerk des Unternehmers, der mit seiner Firma Esta und 150 Mitarbeitern in Senden Absauganlagen für Industrie und Handwerk sowie Schwimmbäder baut, ist längst enorm. Er könnte eigentlich eine "Politikberatungsfirma aufmachen", scherzt Kulitz, der heute seinen 60. Geburtstag feiert. Zu den Gästen im Haus der Wirtschaft in Ulm gehören EU-Kommissar Günther Oettinger, Bundesforschungsministerin Annette Schavan und Wirtschaftsminister Nils Schmid.

Für Schmid leitet Kulitz schon im Mai eine Delegationsreise nach Brasilien. Mit der grün-roten Landesregierung geht er pragmatisch um und äußert sogar Bewunderung für das charismatische Auftreten von Ministerpräsident Kretschmann. Es könne aber nicht sein, dass der Ausbau der Infrastruktur künftig nur noch in Form von Fahrradwegen stattfindet. Auch die Energiewende müsse man sehr kritisch begleiten.

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