Kommentar Ein Jahr nach dem Dieselgipfel muss endlich Geld fließen

Unsere Korrespondentin Dorothee Torebko sieht die Glaubwürdigkeit von Politik und Autobranche in Gefahr.
Unsere Korrespondentin Dorothee Torebko sieht die Glaubwürdigkeit von Politik und Autobranche in Gefahr. © Foto: Privat
Berlin / Dorothee Torebko 01.08.2018
Ob Fahrverbote die Luft in den Städten verbessern, ist umstritten. Umso wichtiger ist, dass die Fördermillionen fließen, findet unsere Berlin-Korrespondentin Dorothee Torebko.

Glaubt man dem größten Lobbyverband der Autoindustrie, dann sind die Akteure des ersten Dieselgipfels froh: Die Luft hat sich vielerorts gebessert, immer mehr Elektro-Busse rollen über  Deutschlands Straßen und der Dieselmarkt hat sich stabilisiert. Doch der genauere Blick verrät: Nichts ist so sauber, wie es einem die Autobauer weismachen wollen.

In Stuttgart kommen Fahrverbote in fünf Monaten. Ob sie den gewünschten Effekt – Reduktion der giftigen Stickoxide – bewirken, ist fraglich. Das wurde selbst in Hamburg, wo die Stadt zwei Straßen sperrte, noch nicht ermittelt. Dass die Luft in einigen Städten besser geworden ist, begründen Umweltwissenschaftler mit dem starken Regen in 2017. Angesichts dieses heißen Sommers müsste die Verschmutzung demnach wieder zunehmen. 

Umso wichtiger ist, dass das Geld aus dem Milliarden-Paket des Bundes und der Autoindustrie abfließt. Nur so kommen mehr E-Autos auf die Straßen. Nur so werden Ampeln intelligent gesteuert und Ladestationen gebaut. Doch Daimler, VW und BMW haben es bisher nicht geschafft, ihren Anteil zu überweisen.

Genauso wichtig ist, dass der Bund die Förderanträge der Kommunen auch schnell bearbeitet. Geschieht das nicht, ist die Glaubwürdigkeit der Industrie und Politik nicht mehr zu retten – egal, wie viele Dieselgipfel es noch geben mag.

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