Ein Hoch den Holzpaletten!

Helmut Schneider 12.01.2018

Jedem Volks- und Betriebswirt begegnet im Grundkurs ein Phänomen, das es überall im Leben gibt, nur nicht im Paradies, wo bekanntlich neben Milch und Honig auch alles andere im Überfluss vorhanden ist: die Knappheit. Im Sozialismus gab es nie etwas im Überfluss, außer der Knappheit. Im Kapitalismus treibt die Knappheit die Preise, bringt jeden Firmenchef zur Verzweiflung und den Verbraucher dazu, Wasserflaschen und Klopapier zu horten.

In der Autoindustrie kommt die Produktion schneller als bei Warnstreiks zum Erliegen, wenn aus irgendwelchen Gründen der kleine Kurbelwellen-Simmerring nicht vorrätig ist. Handys können nicht mehr gebaut werden, sollten die sprichwörtlichen Seltenen Erden einmal noch seltener werden. Es geht um alles, wenn wegen Knappheit nichts mehr geht.

Zu den wenigen angenehmen Seiten der Knappheit zählt, dass der anhaltende Wirtschaftsaufschwung Fachkräfte zur Mangelware gemacht hat und ihre Bezahlung deshalb besser wird – auch ohne Warnstreiks.

Als umsichtiger Zeitgenosse ist man auf alles gefasst. Aber dass der Aufschwung jetzt mangels Holzpaletten und Plastikkisten abgewürgt wird, wie dies Jan Kurth, Chef des Verpackungsverbandes HDE befürchtet, das hätten wir nicht gedacht. Dabei ist das Naheliegende deshalb das Sensationelle, weil man es buchstäblich über-sieht. Wo nichts mehr gestapelt, kann auch nichts mehr transportiert werden und zum Endverbraucher gelangen. Nicht Autos und Chemie ist unsere Schlüsseltechnologie. Sondern der Holzpalettenbau.