Wetter Südwesten: Diese Berufe profitieren von der Hitzewelle

Ulm / Von Petra Walheim, Hans Georg Frank und David Nau 08.08.2018
Nicht jeder leidet unter den hohen Temperaturen. Bei Eismachern, Winzern und Obstbauern klingeln die Kassen.

Ganz Deutschland ächzt unter den hohen Temperaturen der vergangenen Wochen. Vor allem die Landwirtschaft rechnet mit Schäden im Milliardenbereich und fordert bereits Hilfszahlungen von der Bundesregierung. Doch nicht jede Branche empfindet die hohen Temperaturen als negativ. Es gibt auch einige Unternehmen, die von der Hitze profitieren.

Eisdielen

Wer in diesem Tagen mit Dario Fontanella sprechen möchte, der braucht ein wenig Geduld. Fontanella betreibt mitten in Mannheims Innenstadt ein großes Eiscafé und gilt als Erfinder des Spaghetti-Eises. Wenn das Wetter mitspielt, dann hat der Meister im Sommer alle Hände voll zu tun. Er profitiert von der aktuellen Hitzewelle. „Der Sommer ist uns willkommen“, sagt Fontanella. Die Hitze ist gut fürs Geschäft: Er schätzt, dass in seinem Betrieb gerade 20 bis 25 Prozent mehr Eis produziert wird. Besonders gut laufen Sorten, die erfrischen. „Alles was eine gewisse Säure hat, ist gerade sehr gefragt.“ Zitrone, Orange, aber auch Joghurt-Eis mit Früchten in allen denkbaren Variationen – danach lechzen die Kunden im Moment.

Jedoch steigt Fontanellas Umsatz nicht analog zu den Temperaturen. Der Eiskonsum könne nicht ins Unendliche klettern: „Wenn sich jemand ein bis zwei Mal in der Woche ein Eis holt, dann kommt er bei diesen Temperaturen nicht plötzlich acht Mal vorbei.“ Außerdem komme es immer auf die Lage des Eiscafés an. Er kann in Mannheim seinen Gästen auch Sitzplätze im Schatten anbieten. Im Gegensatz zu einem Konkurrenten direkt gegenüber: „Der hat sein Geschäft auf der Sonnenseite und weint nur“, sagt Fontanella und lacht.

Getränkehändler

Gut lachen hat gerade auch die Getränkeindustrie. „Sobald der große Ball richtig scheint, steigen bei uns die Absätze“, sagt Dave Weiß. Er ist bei der Handelskooperation Gefako für den Einkauf zuständig und sieht beim Blick auf die aktuellen Umsatzzahlen ein Wachstum im mittleren einstelligen Bereich. Besonders gefragt ist in den Getränkemärkten Mineralwasser, es werden aber auch steigende Absätze bei Bier registriert. Probleme haben die Getränkehändler allerdings dabei, ihre Ware von A nach B zu bringen: es fehlen Lkw-Fahrer. Einen Engpass müssen die Verbraucher noch nicht befürchten, bislang seien alle Produkte verfügbar und in den Lagern in ausreichender Zahl vorhanden. Ebenfalls problematisch: Viele Menschen horten die leeren Pfandflaschen zu Hause und geben sie nicht regelmäßig zurück. Dadurch droht den Getränkeabfüllern ein Engpass.

Obstbauern

Bis jetzt ist Dieter Mainberger noch zufrieden. Der Obstbauer produziert in Kressbronn unter anderem Äpfel und erhofft sich in diesem Jahr eine gute Ernte. Aber: „Je länger es noch so warm ist, umso heikler wird die Situation.“ Seine Bäume stehen auf schweren Böden, die das Wasser länger halten. Er weiß von Kollegen, deren Bäume auf leichten, sandigen oder kiesigen Böden stehen. „Die fahren jetzt schon jeden Tag mit dem Wasserfass durch die Anlagen.“ Vor allem die jungen Bäume leiden. Mainberger beginnt in der nächsten Woche mit der Ernte der Frühapfel-Sorte Delbarestival. Vom 20. August an wird der Elstar geerntet. Mit der zu erwartenden Menge ist er zufrieden. „Wir rechnen auch mit einer guten Qualität, weil genügend Sonne da war und es wenig Schäden durch Pilze gegeben hat.“

„Optimal wäre es, wenn es bald so einen richtig schönen dreitägigen Landregen geben würde“, sagt Dietmar Bahler, Geschäftsführer der Obstregion Bodensee. Bis jetzt seien Hitze und Trockenheit noch „kein Riesen-Problem“. Die Situation sei lokal sehr unterschiedlich. In manchen Landstrichen sei immer mal wieder ein Schauer niedergegangen, in anderen seit Wochen kein Tropfen. „Wir haben extrem trockene Monate hinter uns.“ Den älteren Bäumen mit tiefen Wurzeln mache das nicht viel aus. Insgesamt betrachtet erwartet Bahler „eine sehr schöne Apfelernte in super Qualität“.

Winzer

Alexander Link zählt sich zu den Gewinnern der Hitzeschlacht. Der Winzer aus Brackenheim-Hausen im Kreis Heilbronn strahlt, wenn er seine Reben im Weingut Wolf kontrolliert. „Die Beeren sind klein und aromatisch“, stellt er fest. Also erwartet er „ein wunderschönes Aroma“, die Weine würden „sehr fruchtig“. Die Trockenheit habe bei ihm keinen Schaden angerichtet, sagt Link.

Auch Hermann Hohl, Präsident des Weinbauverbands Württemberg, freut sich auf einen Superjahrgang: „Die Qualität wird hervorragend, weil die Erntemenge erheblich zurückgeht.“ Je weniger Früchte der Rebstock ernähren muss, desto besser geraten sie. Und die Beeren lagerten viel Zucker ein, sagt der Fachmann. Das lasse „einen Haufen Prädikatsweine“ erwarten, „wie 2003“. In seinem 11.500 Hektar großen Verbandsgebiet hat Hohl festgestellt, dass es zwei Lager gibt. Wer seinen Weinberg bewässern kann, „der ist auf der Sonnenseite“. Wer, wie die Familie Hohl, kaum Wasser hat und dies auch noch mühsam an den Stock bringen muss, wird bei der Lese weniger zu tun haben. „Das ist etwa halbe-halbe in Württemberg“, sagt Hohl. Bisweilen gehe der Riss mitten durch einen Ort: „Auf der einen Seite hat es geregnet, auf der anderen nicht.“

Zu den Verlierern gehört der Trollinger, der an den besten Lagen gedeihen soll. „Ihm macht die massive Sonneneinstrahlung schwer zu schaffen.“ Dagegen profitieren Süd-Sorten von der Hitze – Cabernet Sauvignon, Shiraz, Merlot. „Die sind jetzt fein raus“, sagt Hohl.

Metzger

Zu einem guten Wein gehört für viele auch ein saftiges Steak oder eine knusprige Bratwurst. Joachim Lederer hat deswegen seit längerem eine Sieben-Tage-Woche. Der Metzgermeister aus Weil am Rhein ist ein gefragter Mann, sein Grillfleisch findet reißenden Absatz. Ein Grund: „Grillen ist in Deutschland gerade unwahrscheinlich in“. Das macht sich auch finanziell bemerkbar. Eigentlich gebe es in den Metzgereien im Land immer eine Art Sommerloch, durch den Grill-Hype könne man das ausgleichen. „Inzwischen sind die Sommermonate unsere stärksten Monate“, sagt Lederer, der auch Landesinnungsmeister ist.

Zum Geschäftsmodell der Metzgereien gehört nicht mehr nur das Verkaufen von Grillgut, sondern auch immer öfter das Grillen selbst. „Wir sind zum Dienstleister geworden“, sagt Lederer. Jeder dritte Kunde frage bei ihm inzwischen nicht mehr nur nach Grillfleisch, sondern auch nach Personal, das dann im heimischen Garten die Zubereitung übernehme. „Die Hitzewelle spielt uns in die Karten“, sagt Lederer und fügt sofort hinzu: „Sie bringt uns aber auch eine Sieben-Tage-Woche.“

Zu heiß für Schädlinge

Weinbau Der gefürchteten Kirschessigfliege, einem Schädling mit großem Vernichtungspotenzial, ist es viel zu heiß. Die aus Südostasien stammende „Drosophila suzukii“ stellt bei über 30 Grad ihre Aktivitäten ein, bei über 32 Grad denkt sie auch nicht mehr an Vermehrung. Die Trauben bleiben daher vor ihr verschont. hgf

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