Geldanlage Edelmetall Gold in der Krise: Nachfrage und Preis sinkt

Frankfurt / Rolf Obertreis 28.08.2018
Lange Zeit galt das Edelmetall als Fluchtburg. An politischen Problemen mangelt es nicht. Dennoch ist die Nachfrage mau.

Was ist denn nur mit dem Goldpreis lost? Experten sind genauso irritiert wie Privatanleger. Das Edelmetall ist weit entfernt von seinem Höchststand im Jahr 2012. Im Januar mussten noch knapp 1360 Dollar für die Feinunze (31,1 Gramm) bezahlt werden. Bis Mitte August rutschte der Preis bis auf 1174 Dollar ab – auch wenn er sich seitdem bis auf 1190 Dollar (1019 €) etwas erholt hat.

Zu viele Krisen für die Krisenwährung?

Gold gilt als sicherer Hafen für Anleger in Krisenzeiten.  Noch nie gab es so viele Krisen: Die reichen von den USA angezettelten Handelskonflikten, dem Streit zwischen den USA und dem Iran, US-Sanktionen gegen Russland, die Krise in der Türkei, die auf andere Schwellenländern ausstrahlen könnte, die schwierige Lage in Italien und  dem Brexit. Angesichts der politischen Turbulenzen müsste die Nachfrage und der Preis der üblichen Logik zufolge steigen. Doch das Edelmetall scheint seinen Nimbus als Krisenwährung zu verlieren.

Preis stark unter Druck

„Gold profitiert aktuell überraschenderweise nicht von der höheren Risikoaversion“, sagt Barbara Lambrecht, Volkswirtin der Commerzbank. Man habe nicht geglaubt, dass der Preis in einem solch unsicheren Umfeld so stark unter Druck geraten könnte, wundern sich auch andere Experten des Instituts.

Ähnliches ist aus anderen  Banken zu hören. Kopfschütteln auch bei Privatanlegern, die dennoch weiter auf Gold kaufen, etwa beim Münchner Goldhändler Pro Aurum. „In der zweiten Julihälfte übertraf der Umsatz das Umsatzvolumen im Zeitraum April bis Juni um 25 Prozent. Neun von zehn Kunden stehen wieder auf der Käuferseite“, sagt Robert Hartmann, Chef von Pro Aurum. Nachgefragt werden Goldmünzen, aber Barren zwischen 100 und 200 Gramm.

105 Tonnen Gold bestellt

Unter den Gold-Käufern sind auch Notenbanken, insbesondere die russische. Letztere hat nach laut dem globalen Branchenverband World Gold Council, von Januar bis Juni 105 Tonnen geordert. Im Juli sollen es noch einmal 25 Tonnen gewesen. Gekauft hat auch die Türkei: 38 Tonnen im ersten Halbjahr. Insgesamt ist die Nachfrage im ersten Halbjahr mit 1960 Tonnen auf das niedrigste Niveau seit 2009 gesunken. Davon entfallen allein 1000 Tonnen auf die weltweite Schmuckindustrie.

Seit Anfang Juli hat die Nachfrage nach Gold wieder angezogen, sagt Martin Siegel, Geschäftsführer von Stabilitas, einem auf die Goldanlage spezialisierten Investmenthaus. Das ändert aber nichts an dem niedrigen Preis. Beobachter begründen diesen mit dem relativ starken Dollar und den steigenden Zinsen in den USA. Gold hat den Nachteil, dass es keine Zinsen, keine Dividenden und damit keine laufenden Erträge abwirft. Allein der Preisanstieg kann dem Anleger einen Ertrag verschaffen.

Viel wichtiger aber – und darin sind sich viele Experten einig – sind derzeit Hedgefonds und Spekulanten, die auf einen fallenden Goldpreis wetten. Sie verkaufen Gold an den Terminmärkten und setzen darauf, es zu einem späteren Zeitpunkt günstiger zurückkaufen können. Außerdem ist die Nachfrage nach börsengehandelten Goldfonds (ETFs), die auf physisches Gold setzen, zurückgegangen.

Zuversicht für die Zukunft

Für Martin Hüfner, Chef-Volkswirt des Vermögensverwalters Assenagon, bietet Gold als Geldanlage auf lange Sicht dennoch Vorteile. „Gold ist beständiger und nachhaltiger als andere Anlageklassen“. Sein Preis sei langfristig stabil und unterliege nicht den großen Schwankungen anderer Anlageklassen. Und Goldinvestments seien rentabel. Wer den Barren von 1970 bis heute gehalten habe, habe eine Rendite von 7,5 Prozent pro Jahr erzielt.

Lars Reiner, Chef des digitalen Vermögensverwalters Ginmon rät dagegen zur Vorsicht. „Der wirklich sichere Hafen für Anleger ist nicht Gold, sondern ein diversifiziertes Portfolio über alle Anlageklassen hinweg. Deshalb braucht man als Anleger keine Krisenwährung.“ Gold und Gold-ETFs hätten zwar ihre Berechtigung, aber nur als Beimischung. „Sie sind in einem solchen Mix aber nicht der Teig, sondern eher die Kirsche auf der Torte.“

Bis zum Jahresende soll es wieder aufwärts gehen. Die Deutsche Bank erwartet 1290 Dollar pro Feinunze, die Commerzbank 1300, die britische HSBC 1550 Dollar.

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