Energieversorgung Die Stromnetze sind stabiler geworden

Wenn viel Wind weht, gibt es Enpässe beim Stromtransport.
Wenn viel Wind weht, gibt es Enpässe beim Stromtransport. © Foto: dpa/Julian Stratenschulte
Berlin / Dieter Keller 07.08.2018

Die Ökostromerzeugung erreicht immer neue Rekordwerte. Trotzdem waren im ersten Halbjahr deutlich weniger Not­eingriffe erforderlich, um die deutschen Stromnetze zu stabilisieren. Sollte das auch in der zweiten Jahreshälfte anhalten, könnte es positive Auswirkungen auf die Strompreise haben.

„Unsere Fortschritte beim Netzausbau tragen Früchte“, sagte Lex Hartmann, Vorstandsmitglied des Netzbetreibers Tennet, der Deutschen Presse-Agentur. Wegen des starken Ausbaus der erneuerbaren Energien bleibe das Netz aber weiter extrem belastet.

Wenn im Norden viel Windstrom erzeugt wird, gibt es regelmäßig Engpässe beim Stromtransport nach Süddeutschland, da die Leitungen nicht ausreichen. Die vier Betreiber der großen Übertragungsnetze sorgen dann dafür, dass im Norden weniger und im Süden mehr Strom aus konventionellen Kraftwerken eingespeist wird. Reicht das nicht, müssen Windkraftanlagen ihre Leistung drosseln.

Bezahlen müssen dies die Verbraucher über den Strompreis. 2017 fielen dafür Rekordkosten von 1,4 Mrd. € an, davon knapp 1 Mrd. € bei Tennet, die für die Mitte Deutschlands von Schleswig-­Holstein bis Bayern zuständig ist. In den ersten sechs Monaten dieses Jahres musste Tennet die Leistung konventioneller Kraftwerke um 3600 Gigawattstunden drosseln oder erhöhen, um Engpässe auszugleichen. Im gleichen Zeitraum 2017 waren es 6000 Gigawattstunden.

Beim Netzbetreiber 50Hertz, der für Ostdeutschland und Hamburg zuständig ist, haben sich die Noteingriffe mehr als halbiert. Auch bei TransnetBW, die für Baden-Württemberg verantwortlich ist, gab es einen deutlichen Rückgang. Zudem mussten kaum die Reservekraftwerke angeworfen werden.

Die Kosten der Noteingriffe müssen die Verbraucher im Jahr darauf als Teil des Netzentgelts bezahlen, das rund ein Viertel des Strompreises ausmacht. Der Betrag könnte sinken, wenn auch in der zweiten Jahreshälfte weniger Eingriffe erforderlich sind. Sie ist allerdings meist windreicher.

Die Rekordhitze macht übrigens kaum Eingriffe nötig: Es weht kaum Wind, und die Solaranlagen produzieren wegen der hohen Temperaturen weniger Strom.

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