Kosmetik Die Natur im Badezimmer

Nürnberg / Simone Dürmuth 14.02.2019

Ziemlich genau 250 € gibt jede deutsche Frau im Jahr für Kosmetik aus – Männer kommen mit 95 € deutlich günstiger weg. Dies ist das Ergebnis einer Online-Umfrage, die das Marktforschungsinstitut Kantar TNS für den Kosmetikverband VKE durchgeführt hat. Einen immer größeren Anteil daran nehmen in den letzten Jahren Naturkosmetika ein. Ihr Anteil am Kosmetikmarkt hat sich seit dem Jahr 2012 von knapp 7 auf gut 10 Prozent gesteigert.

Der Trend zur pflanzlichen Schönheitspflege ist ungebrochen. Ähnlich wie es Bio-Lebensmittel vorgemacht haben, kommt die Naturkosmetik seit einiger Zeit aus den Ecken der Reformhäuser und Biomärkte auch in der breiten Bevölkerung an.

Auch auf der Fachmesse Vivaness, die von heute an parallel zur Lebensmittelmesse Biofach in Nürnberg stattfindet, zeigen immer mehr Hersteller ihre Produkte. Auf beiden Messen zusammen zeigen noch bis Samstag mehr als 3000 Anbieter ihre Produkte, die mit Nachhaltigkeit, natürliche Inhaltsstoffe und Umweltfreundlichkeit punkten wollen.

Die bekannten Natur­kosmetik-Marken Weleda, Kneipp und Lavera profitieren schon lange von der steigenden Nachfrage: Seit dem Jahr 2007 ist der Umsatz mit Naturkosmetik in Deutschland von 600 Mio. € auf 1,18 Mio. € im Jahr 2017 gestiegen. Der Markt hat sich in zehn Jahren also fast verdoppelt. „Der Markt für Kosmetik stagniert, aber der Anteil der Naturkosmetik wächst stetig“, sagt die Branchenexpertin Elfriede Dambacher. „Der Wertewandel in der Gesellschaft ist auf den Konsum durchgeschlagen“, erklärt sie sich die steigende Nachfrage nach Produkten, die weder der Natur noch unserer Gesundheit schaden sollen.

Von diesem Sinneswandel wollen auch die konventionellen Hersteller profitieren. So hat zum Beispiel der Weltmarktführer L’Oréal (Paris), der im Jahr etwa 26 Mrd. € umsetzt, erst im August 2018 den Naturkosmetik-Produzenten Logocos aus Salzhemmendorf in Niedersachsen übernommen. Logocos stellt Marken wie Santé, Logona und Heliotrop her und erwirtschaftete im Jahr 2017 rund 59 Mio. €.

Die Übernahme war nicht der erste Schritt der Franzosen auf den Naturkosmetik-Sektor: Bereits 2006 übernahmen sie die Kette The Body Shop, diese wurde aber 2017 an den brasilianischen Hersteller Natura weiterverkauft.

Noch im Programm hat der Marktführer die Marke Kiehl’s, die er bereits im Jahr 2000 übernommen hatte. Kiehl’s ist eine Apotheken-Marke aus New York, die seit 1851 Körper- und Gesichtscremes herstellt. Durch die Übernahme durch L’Oréal stieg der Jahresumsatz von Kiehl’s von 25 Mio. € auf über eine Milliarde.

Henkel hat im November die Reihe Nature’s Box eingeführt. Und auch Beiersdorf denkt laut über Zukäufe aus dem Naturkosmetik-Segment nach.

Den Vorwurf des Greenwashing, also dass Firmen sich einen ökologischen Anstrich geben, ohne dass viel dahintersteckt, will Branchenexpertin Dambacher nicht unterstützen. L’Oréal biete Kosmetika in allen Preisklassen und Sparten an, da gehöre auch Naturkosmetik dazu. Und wer sichergehen will, dass auch drin steckt, was drauf steht, sollte auf zertifizierte Produkte mit Siegel, zum Beispiel von Natrue, BDHI oder Cosmos, setzen.

Auch die Vertriebswege für Naturkosmetik haben sich verändert: Musste man bis vor einigen Jahr noch in Apotheken und Reformhäusern nach entsprechenden Produkten suchen, reicht heute der Weg zum Drogerie- oder Supermarkt. Die meisten haben inzwischen sogar entsprechende eigene Kosmetiklinien ins Programm aufgenommen. Darunter Alverde von DM, eine Kosmetiklinie, die auf pflanzlichen Inhaltsstoffen basiert. Aber auch Alterra von Rossmann oder Blüte-Zeit von Edeka, die mit dem Natrue-Siegel zertifiziert ist.

Sogar Aldi bietet inzwischen zertifizierte Naturkosmetik an. Das dürfte ein Grund dafür sein, dass im vergangenen Jahr erstmals mehr als 1 Mio. Menschen in Deutschland zum ersten Mal Naturkosmetik gekauft haben.

Der Anteil am Gesamtmarkt steigt
361
Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel