Azubis Ausbildungsreport: Die Mehrzahl ist zufrieden

Mechatroniker sind mit ihrer Ausbildung besonders zufrieden.
Mechatroniker sind mit ihrer Ausbildung besonders zufrieden. © Foto: dpa
Berlin / Dieter Keller 03.09.2018
Mehr als zwei Drittel der Lehrlinge sind mit ihrer Ausbildung zufrieden. Es gibt aber auch Klagen, die sich in manchen Branchen häufen.

Gut 70 Prozent der Lehrlinge sind zufrieden mit ihrer Ausbildung. Allerdings zeigt die Kurve nach unten: 2010 waren es noch über 72 Prozent. Das ergab der jährliche Ausbildungsreport des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB), für den 15.000 Auszubildende in den 25 am häufigsten gewählten Berufen befragt wurden.

Besonders groß ist der Frust bei angehenden Hotelfachleuten, zahnmedizinischen Fachangestellten und angehenden Lebensmittelverkäuferinnen. Dagegen sind künftige Verwaltungsfachangestellte und Mechatroniker, egal ob Frauen oder Männer, besonders zufrieden. Deutlich verbessert hat sich die Stimmung bei den Köchen.

Gesamturteil

Es gilt immer noch die Regel: Je größer der Betrieb, desto höher die Zufriedenheit. Kleinbetriebe können die Ausbildung nicht so systematisch organisieren. Je nach Auftragslage müssen die Azubis bei ihnen häufig mit ran.

Angebot

Von Oktober 2017 bis August 2018 wurden bei den Arbeitsagenturen 548.100 Ausbildungsstellen gemeldet, 4 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Gleichzeitig sank die Zahl der Bewerber um 2 Prozent auf 520.700. Damit war erstmals seit der Einheit das Angebot größer als die Nachfrage. Ende August waren noch 148.500 Lehrstellen unbesetzt und 91.400 Bewerber unversorgt.

Das war nur wenig besser als im letzten Jahr, zumal noch mehr als 290.000 junge Menschen in diversen Maßnahmen zum Übergang von der Schule in den Beruf stecken, klagte die stellvertretende DGB-Vorsitzende Elke Hannack. Sie forderte die Arbeitgeber auf, die Bestenauslese zu beenden und mehr betriebliche Ausbildungsplätze zu schaffen.

Arbeitszeit

Über ein Drittel der Auszubildenden muss regelmäßig Überstunden machen, und zwar im Schnitt 4,1 Stunden pro Woche. Seit 2010 ist der Anteil zurückgegangen. Zudem müssen immer noch Jugendliche unter 18 Jahren regelmäßig mehr als 40 Stunden pro Woche arbeiten, obwohl dies gesetzlich verboten ist.

Ein Viertel arbeitet in Schicht. Davon hat nur jeder zweite immer die vorgeschriebene Ruhezeit von mindestens 11 Stunden zwischen zwei Schichten.

Ausbildungsqualität

Jeder dritte Auzbi hat keinen Ausbildungsplan, obwohl er gesetzlich vorgeschrieben ist. Jeder neunte klagt, er müsse häufig ausbildungsfremde Tätigkeiten ausüben, oder er sehe selten seinen Ausbilder.

Die fachliche Qualität des Berufsschulunterrichts beurteilen nur 56 Prozent als sehr gut oder gut. Immer noch müssen manche Jugendliche die Zeiten des Unterrichts in der Berufsschule nacharbeiten.

Ausbildungsvergütung

Im Schnitt bekommen die jungen Leute 766 € im Monat. Männer stehen deutlich besser da als Frauen. Hannack fordert eine bessere Bezahlung, „denn sie sind die kommenden Fachkräfte und keine billigen Arbeitskräfte“.

Der DGB will eine gesetzliche Mindestvergütung, und zwar 80 Prozent dessen, was in Tarifverträgen vereinbart ist. Im ersten Ausbildungsjahr entspräche das mindestens 635 €. Dies steigt bis zum vierten Jahr auf 796 €. Davon würden laut DGB rund 160.000 Lehrlinge profitieren. Das ist auch ein Projekt der großen Koalition, das Anfang 2020 Realität werden soll. Details stehen allerdings nicht im Koalitionsvertrag.

Übernahme

Fast 40 Prozent der Auszubildenden im letzten Ausbildungsjahr wissen noch nicht, ob sie nach ihrer Lehrlinge übernommen werden. Der DGB verlangt eine gesetzliche Pflicht, dies spätestens drei Monate vor Ausbildungsende mitzuteilen: Azubis brauchen Planungssicherheit.

Reaktionen

Die Klagen des DGB kann der Generalsekretär des Handwerksverbands ZDH, Holger Schwannecke, nicht verstehen: „Das sich alljährlich gebetsmühlenartig wiederholende Klagelied des DGB verkennt die hohe Ausbildungsleistung und -qualität gerade im Handwerk.“ Von Zustimmungsraten über 70 Prozent könne man an anderer Stelle nur träumen. Von einer „Bestenauslese“ könne keine Rede sein, sagte Achim Dercks vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag. „Rund 80 Prozent der Ausbildungsbetriebe geben schwächeren Bewerbern Chancen; viele organisieren sogar eigene Nachhilfekurse.“ Der Baden-Württem­-
bergi­sche Handwerkstag lehnte eine Mindestvergütung ab: Dies auszuhandeln sei originäre Aufgabe der Tarifpartner.

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So schneiden die Berufe ab

Beste Bewertung
Verwaltungsfachangestellte/r
Mechatroniker/in
Industriemechaniker/in
Elektroniker/in für Betriebstechnik
Zerspannungsmechainer/in

Mittlere Bewertung
Industriekaufmann/frau
Bankkaufmann/frau
Fachinformatiker/in
Kaufmann/frau für Büromanagement
Kaufmann/frau Groß- u. Außenhandel
Steuerfachangestellte/r
Medizinische/r Fachangestellte/r
Elektroniker/in
Fachkraft für Lagerlogistik
Koch/Köchin
Maler/in und Lackierer/in
Anlagenmechaniker/in
Kfz-Mechatronker/in
Kaufmann/frau im Einzelhandel
Verkäufer/in

Schlechteste Bewertung
Tischler/in
Zahnmedizinische/r Fachangesellte/r
Friseur/in
Fachverkäufer/in im Lbm-Handwerk
Hotelfachmann/frau

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