Lohnlücke Die Lohnlücke ist ein regionales Phänomen

Berlin / Michael Gabel 13.02.2018

Die Gehaltsunterschiede zwischen Männern und Frauen schwanken je nach Region erheblich. So verdienen ostdeutsche Frauen in vielen Gegenden mehr als Männer, wie aus einer aktuellen Untersuchung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hervorgeht. In Cottbus beispielsweise liegt das Einkommen von Frauen im Schnitt um 17,3 Prozent höher als das von Männern. An süddeutschen Industriestandorten hingegen erzielen Männer ein bis zu 38 Prozent höheres Einkommen.

„Zentral für die unterschiedlichen Zahlen ist die jeweilige Wirtschaftsstruktur“, sagt Studienleiterin Michaela Fuchs der SÜDWEST PRESSE. In vielen ostdeutschen Städten spiele der öffentliche Dienst als Arbeitgeber eine entscheidende Rolle. Dort gebe es vergleichsweise gutbezahlte Jobs, auch seien in diesem Bereich mehr Frauen als Männer beschäftigt. Das verarbeitende Gewerbe als traditionell männliche Domäne sei im Osten dagegen nur schwach ausgeprägt. Anders im Süden: Dort florieren die Großbetriebe, die den überwiegend männlichen Beschäftigten überdurchschnittlich hohe Verdienstmöglichkeiten böten.

Die Kreise mit den extremsten Gehaltsunterschieden zugunsten von Männern befinden sich sämtlich an den großen Industriestandorten in Bayern und Baden-Württemberg. In Dingolfing, dem Sitz von BMW, sind es 38,4 Prozent, am Audi-Standort Ingolstadt 36,9 Prozent und in Böblingen, der Heimat von Daimler, Philips und IBM, 35,9 Prozent. Interessant: In Dingolfing und Cottbus verdienen Frauen etwa gleich viel (im Schnitt rund 2800 € brutto), während das Gehalt von Männern mit 4500 € (Dingolfing) und 2400 € (Cottbus) stark differiert.

Michaela Fuchs appelliert an die Firmen: „Im Sinne der Fachkräftesicherung sollten die Unternehmen mehr auf das Potenzial ihrer weiblichen Mitarbeiter setzen.“ Würden mehr Frauen in Technikberufen ausgebildet, würden auch mehr Frauen hochbezahlte Jobs in Technik und Industrie bekommen. Die genauen Effekte will das IAB bis Herbst untersuchen, wenn die Studie vollständig veröffentlicht wird.

Aber auch die Kinderbetreuung trage zu den Unterschieden bei: In vielen Teilen Westdeutschlands sei die für Frauen ein beruflicher Klotz am Bein. In Ostdeutschland sei es dagegen schon immer üblich gewesen, dass Frauen arbeiten und die Kinder betreut werden. Bei der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) sieht man „den Kern des Problems darin, dass Frauen wegen der Kinderbetreuung in geringerem Stundenumfang erwerbstätig sind und dadurch seltener Führungspositionen als Männer erreichen“. Der BDA fordert deshalb: „Wir brauchen mehr Ganztagsbetreuung für Grundschulkinder. Zudem ist eine Berufsorientierung nötig, die dafür sorgt, dass Frauen mehr in technische Berufe gehen.“

Bundesweit betrachtet verdienen Frauen weniger
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