Düsseldorf Die Kehrseite der Rabattschlacht

Preiskampf im Supermarkt: Ein Kunde steht am Kühlregal und hat die Qual der Wahl angesichts der vielen Sonderangebote. Foto: dpa
Preiskampf im Supermarkt: Ein Kunde steht am Kühlregal und hat die Qual der Wahl angesichts der vielen Sonderangebote. Foto: dpa
DPA 13.07.2012
Eine wahre Schnäppchenflut schlägt dem Verbraucher entgegen. Sonderangebote flattern in den Briefkasten oder kommen auf das Handy. Insbesondere bei Lebensmitteln werben Händler mit Superpreisen.

Preise wie im Sommerschlussverkauf, Woche für Woche. Hier gibt es einen bestimmten Marken-Kaffee um 22 Prozent billiger, dort einen Marken-Joghurt um 25 Prozent günstiger. Im harten Wettbewerb des Lebensmittelhandels werben Supermärkte, SB-Warenhäuser und ein Teil der Discounter regelmäßig mit zeitlich begrenzten Sonderangeboten.

Rotstiftpreise und Prozentzeichen oder Werbeaussagen wie "1 Euro gespart" sollen Verbraucher zum Großeinkauf in die Läden locken. Bei Waren des täglichen Bedarfs, die im wesentlichen Lebensmittel und Drogeriewaren umfassen, haben sich die Umsätze zu Sonderpreisen seit 2001 schon mehr als verdoppelt. Das berichten die Marktforscher der GfK. Der Anteil der Preisaktionen am Gesamtumsatz dieser Waren wuchs von damals 8,5 Prozent auf fast 20 Prozent in den ersten drei Monaten 2012. Aktuell seien Preisaktionen bei Drogeriewaren stark ausgeprägt, weil Händler um ehemalige Schlecker-Kunden kämpfen.

Die Aktionen sind in westlichen Nachbarländern von Deutschland noch umfangreicher, wie die Marketingberatung Symphony IRI ermittelte. In Großbritannien würden schon mehr als die Hälfte aller Waren des täglichen Bedarfs in Aktionen verkauft, zu denen auch Sonderstände und Verkostungen zählten. In Deutschland sei der Anteil mit 11,6 Prozent deutlich niedriger - auch im Vergleich zu Frankreich (17,6 Prozent), Spanien (18,5), den Niederlanden (21,5) und Italien (29,7). "Dass die Deutschen bei den Aktionspreisen Nachzügler in Europa sind, hat mehrere Gründe", meint Discountexperte Matthias Queck vom Handelsinformationsdienst Planet Retail.

Der Discounter Aldi, der mit Dauerniedrigpreisen werbe, besitze einen hohen Marktanteil bei Lebensmitteln. Außerdem habe erst nach dem Fall des Rabattgesetzes vor elf Jahren eine ausgefeilte Preis-Klaviatur entstehen können.

Verstärkte Preisaktionen sollen die Verbraucher in Krisenzeiten zum Kauf von Markenprodukten anregen, stellte Symphony IRI heraus.

Wolfgang Adlwarth von der GfK sieht die Preisaktionen aber nicht als unmittelbare Reaktion auf die Finanzmarktkrise. Für Händler seien diese ein schmaler Grad, weil auch Kunden zugriffen, die die Produkte ohnehin gekauft hätten.

"Der Händler schafft keine Kundentreue. Der Verbraucher muss sich nicht bevorraten oder wiederkommen, weil er aus Erfahrung weiß, nächste Woche gibt es diesen Artikel anderswo im Angebot", schildert Queck die Kehrseite. Der Händler setze sich unter Druck, immer wieder "Preisknaller" anzubieten. Die Verbraucher ließen sich nicht wahllos von Aktionen verlocken, erklärte Symphony IRI-Manager Rod Street vor wenigen Wochen. "Sie sind nicht nur preisbewusster denn je, sondern erwarten auch immer mehr, dass ihre gewohnten Markenprodukte regelmäßig vergünstigt angeboten werden", sagt er.