Im Frühjahr werden Frequenzen für den Mobilfunk der nächsten Generation versteigert. „5G“ verspricht superschnelles mobiles Internet und ermöglicht Zukunftstechnologien wie Autonomes Fahren. Doch die Netzanbieter sträuben sich gegen Ausbauauflagen. Platzt der Traum vom Ende des Funklochs? Hier die wichtigsten Fragen und Antworten:

Was genau ist 5G, und wofür braucht man diese Technologie? Vollautomatisierte Fahrzeuge werden in Zukunft ein Gigabyte Daten verarbeiten – pro Minute. Ein Auto allein wird diese Rechenkapazität nicht bewältigen können, es benötigt Echtzeitzugriff auf Rechenzentren. Diesen kann nur die fünfte Generation (5G) des Mobilfunknetzes gewährleisten, über das eine exorbitant größere Datenmenge schneller transportiert werden kann als über das heutige 4G-Netz (LTE, „Long Term Evolution“).

Vor allem die Automobilwirtschaft pocht deswegen auf einen schnellen und flächendeckenden Ausbau. Aber auch andere Dienstleistungen werden dadurch ermöglicht. Zum Beispiel die Echtzeit-Übersetzung von gesprochenem Wort durch intelligente Kopfhörer. Ermöglicht LTE Übertragungsraten von 150 bis 1000 Megabit pro Sekunde, sind es bei 5G mehr als zehn Mal soviel: 10.000 Megabit. Der Unterschied lässt sich gut an der Download-Zeit von HD-Filmen veranschaulichen: Dauert das bei guter LTE-Verbindung schon mal fünf bis zehn Minuten, sind es mit 5G fünf Sekunden.

Wo ist der Haken?
Über die Frequenzen können zwar riesige Datenmengen transportiert werden. Doch haben sie anders als die LTE-Funkwellen eine geringe Reichweite: Würde man auch die letzte Landstraße vernetzen wollen, müsste man Hunderttausende von Funkzellen in einem Abstand von 200 Metern errichten. 60 Milliarden Euro soll ein flächendeckender Ausbau kosten.

Die Bundesnetzagentur – eine unabhängige Behörde, die den Telekomkonzernen Ausbauauflagen bei der Versteigerung der Lizenzen machen kann – verzichtet deswegen auf eine Forderung nach einem flächendeckenden Ausbau. Sie erwartet von den mitbietenden Platzhirschen Telekom, Vodafone und Telefónica, dass sie bis zum Jahr 2022 aber 98 Prozent aller Haushalte mit mobilen Datengeschwindigkeiten von mindestens 100 Megabit die Sekunde ausstatten. Autobahnen, Bundesstraßen und fahrgaststarke Schienenwege sollen bis dahin ebenfalls ans Netz, letztere jedoch mit lediglich 50 Megabit die Sekunde.

Reicht das aus?
98 Prozent klingt zunächst nach viel, bedeutet jedoch, dass in der Fläche immerhin 15 Prozent des Landes im Funkloch bleiben. Vertreter des ländlichen Raums sind deswegen empört. Sie fürchten, angesichts der laschen Auflagen vernachlässigt zu werden: „Fehler, die jetzt gemacht werden, öffnen die Schere zwischen Stadt und Land weiter“, beklagt der Landkreistag. Das Ziel gleichwertiger Lebensverhältnisse rücke so in weite Ferne heißt es in einem Brief, den zahlreiche Landräte und Bürgermeister unterschrieben haben.

Zumal es eine Verpflichtung für die großen Konzerne, kleineren Dienstleistern wie 1&1 gegen Entgelt das eigene Netz zur Verfügung zu stellen, ebenfalls nicht geben wird. Genauso wenig wie ein „National Roaming“, bei dem Kunden im Funkloch in das Netz eines anderen Anbieters wechseln könnten.

Das alles zusammen hat inzwischen sogar auf höchster politischer Ebene für Unmut gesorgt. In einem Brandbrief kritisierten führende Unions-Abgeordnete bereits vor Monaten die Vergabebedingungen und forderten die Netzagentur auf, die Konzerne bei der Verhinderung von Funklöchern stärker in die Pflicht zu nehmen. Das ist insofern brisant, weil die beiden für das Thema verantwortlichen Minister, Peter Altmaier (CDU) und Andreas Scheuer (CSU), beide Unionskollegen sind.

München/Düsseldorf

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