Solarworld  Die frühere Vorzeigefirma der Energiewende ist pleite

Jahrelang hat Solarworld-Chef Frank Asbeck gegen hohe Verluste, die Weltmarktpreise und die übermächtige Konkurrenz aus China gekämpft. Jetzt muss er aufgeben.
Jahrelang hat Solarworld-Chef Frank Asbeck gegen hohe Verluste, die Weltmarktpreise und die übermächtige Konkurrenz aus China gekämpft. Jetzt muss er aufgeben. © Foto: dpa
Bonn / dpa 12.05.2017

Jahrelang hat Solarworld-Chef Frank Asbeck gegen hohe Schulden, Millionenverluste und die Billigpreise der asiatischen Rivalen gekämpft. Nun gibt er auf. Am Mittwochabend kündigte Deutschlands größte Solarfirma mit knapp 3300 Beschäftigten einen Insolvenzantrag für den Mutterkonzern an. Auch für die Töchter werden entsprechende Schritte geprüft.

Das einstige Musterunternehmen der Energiewende, das in guten Zeiten 2008 sogar schon mal den Autobauer Opel kaufen wollte, ist am Ende. Solarworld sieht sich als Opfer des weltweiten Preissturzes bei Solarmodulen durch Dumping-Angebote vor allem chinesischer Hersteller. Enorme Überkapazitäten – gestützt von Staatsbanken in China – hätten die Preise irrational gedrückt, erklärte der Branchenverband EU Solar, in dem Solarworld eine wichtige Rolle spielt. Seit Mitte 2016 habe sich dieser Druck nochmals erhöht.

Dagegen hätten massive Senkungen der Solarworld-Produktionskosten in den vergangenen fünf Jahren und die Innovationen des Unternehmens am Ende nicht bestehen können – „ein bitterer Schritt“, so Asbeck in einer Mitteilung. Voraussichtlich heute will der Firmenchef in einer Betriebsversammlung auch vor die Mitarbeiter treten.

Unter dem Druck der 2016 noch einmal gefallenen Weltmarktpreise hätten Solarworld­-Kunden Bestellungen storniert oder Preise nachverhandeln wollen, hieß es aus der Branche. Damit seien die Absatzpläne der Bonner geplatzt. Sie hätten deshalb reagieren müssen. Das Unternehmen muss 2019 rund 350 Mio. € für Anleihen und Darlehen zurückzahlen. Eine Refinanzierung über die Banken hängt aber von einer positiven Prognose für den Absatz ab.

Die Pleite ist der Endpunkt eines langen Siechtums. Sechs Jahre in Folge – seit 2011 – hatte Solarworld real rote Zahlen erwirtschaftet. Schon 2012 rutschte das Eigenkapital nach Rekordverlusten von mehr als 600 Mio. € in den Minusbereich.

Asbeck wusste seine Firma aber zunächst trotz hoher Schulden zu retten. Er brachte einen Schuldenschnitt durch, bei dem die Gläubiger auf 60 Prozent ihres Geldes im Tausch gegen Aktien verzichteten. Die Anteilseigner mussten 95 Prozent des Aktienwertes abschreiben. Zugleich brachte ein Investor aus Katar neues Geld, und Solarworld ­übernahm Anfang 2014 von Bosch die Solarfertigung in Arnstadt einschließlich der Mitarbeiter und kassierte dafür 130 Mio. €. Danach hatte Asbeck die Zukunft wieder optimistischer gesehen und die ersten Gewinne für das Jahr 2019 in Aussicht gestellt. Diese Hoffnung hat sich vorerst zerschlagen.

Der Sparkurs kommt zu spät

Fachleute sehen neben der Asien-Konkurrenz jedoch auch Fehler bei Solarworld als Grund für die jetzige Situation. Das Unternehmen habe zu spät – nämlich erst zu Beginn dieses Jahres – mit einem Sparprogramm reagiert. Außerdem habe Solarworld geschäftliche Chancen wie die Solarenergie-Beratung mit eigenen Beschäftigten liegen lassen. dpa

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