Eurobike Die Fahrradbranche setzt auf Elektroantrieb

Power für Rennräder: Der chinesische Hersteller Bafang verbaut einen Elektroantrieb.
Power für Rennräder: Der chinesische Hersteller Bafang verbaut einen Elektroantrieb. © Foto: Thomas Kapitel
Thomas Kapitel 09.07.2018

Die Fahrradbranche wird von einer regelrechten Innovations-Welle getragen: Seit Sonntag zeigen rund 1400 Aussteller auf der weltgrößten Fahrrad-Fachmesse in Friedrichshafen (Bodenseekreis), wie sich das Fahrrad in Stadtverkehr und Freizeit immer mehr durchsetzt – vor allem dank Elektroantrieb.

Doch in der Branche herrscht Aufregung: Grund ist eine von der EU-Kommission angestoßene Diskussion über eine Ausweitung der Versicherungspflicht auch auf Pedelecs. Ziel ist es, Opfer von Verkehrsunfällen besser zu schützen. Allerdings ist auch vorgesehen, dass Mitgliedsstaaten solche Fahrzeuge von der Versicherungspflicht ausnehmen können.

„Wir halten den Vorschlag wegen des geringen Schadenspotenzials durch Pedelecs für unnötig“, hieß es auch beim deutschen Fahrrad-Verband ADFC, der umgehend Widerstand ankündigte. Fahrer von schnelleren E-Bikes brauchen ohnehin heute schon in Deutschland neben einer Betriebszulassung auch ein Versicherungskennzeichen.

Wenn eine Haftpflicht käme, könnte das nach Einschätzung von „Radmarkt“-Chefredakteur Michael Bollschweiler den Absatz zum Einbruch bringen. „Der Charme ist, dass es in rechtlicher Hinsicht ein Fahrrad ist“, sagte er. Die Unkompliziertheit sei Teil des Erfolgs. Das zeige sich auch daran, dass versicherungspflichtige E-Bikes in Deutschland bislang ein Flop seien.

Doch im Moment läuft das Geschäft mit den Pedelecx: Die Fahrradbranche hat nach verhaltenem Start in das Jahr 2018 (es war kalt bis Mai) im zweiten Vierteljahr alles wieder ausgeglichen: „Wir kommen mindestens wieder auf das Niveau von 2017, eher darüber“, sagte sagt Siegfried Neuberger, Geschäftsführer des Zweirad-Industrie-Verbands (ZIV) bei der Branchen-Pressekonferenz zur Eurobike. Hatte die Branche in Deutschland allein bei Rädern mit Elektroantrieb im Jahr 2017 schon ein Wachstum um 19 Prozent auf rund 900 000 verkaufte Fahrräder, dürfte laut Neuberger 2019 die Millionengrenze überschritten werden. Hält der Trend auch bei den konventionellen Rädern an, könnte die Zahl der insgesamt verkauften Fahrräder dann bei 4 Millionen liegen. Einziger Bremsklotz: Fahrräder sind bei Kindern eher out. „Kinder lernen heute nicht mehr so automatisch Fahrradfahren wie früher“, beklagt Neuberger. „Immerhin schaffen wir es, mit dem E-Mountainbike eine neue, jüngere, sportive Zielgruppe zu erreichen.“

Die Neuheiten, die die 1400 Aussteller auf der 27. Eurobike zeigen,  bestätigen den Trend. Bei den E-Mountainbikes bringt etwa der amerikanische Hersteller Kona mit dem „Remote Control“ ein neues Modell mit 500 Watt-Antriebstechnik von Bosch auf den Markt. Bei den MTBs zündet der Elektro-Turbo schon seit einigen Jahren; jetzt erfasst er mit der Rennrad-Branche auch eine der letzten elektro-freien Bastionen der Fahrradszene. So stellt der chinesische Ausrüster „Bafang“ auf der Eurobike ein kompaktes, „Center Drive“-Antriebssystem vor, das sich um die Pedalachse des Rennrads schmiegt. Als urbanes Transportmittel werden die Pedelecs immer schicker, mit Retro-Anleihen im Hollandrad-Stil. Das Schweizer Start-up des Designers Benno Benzinger etwa stellt trendige Modelle für die Familie vor, alltagstauglich vom Wocheneinkauf bis zum Abholen der Kinder.

Aber auch die Digitalisierung schreitet auch auf dem Fahrradmarkt voran. Der renommierte deutsche Hersteller Winora präsentiert auf der Messe sein weiterentwickeltes „eConnect“-System: Von Diebstahlschutz durch Fahrrad-Ortung über Unfall-Sensor mit automatischem Notruf samt Positionsangabe bis zum Routen-Mapping übers Smartphone am Lenker ist hier alles drin. Das System liefert Streckendaten, informiert über Sehenswürdigkeiten und gibt Tipps zur Einkehr. Wer will, kann sogar schauen, welche weiteren Nutzer gerade auf derselben Route fahren und sich mit ihnen vernetzen. Bisher sind rund 10 000 Stück des Systems auf dem Markt, das laut Hersteller vor allem bei E-Mountainbikes verbaut und nachgerüstet wird.

Überhaupt blüht die Innovationsfreude im Ausrüstungs-Segment: Beheizbare Radler-Überschuhe für den Winter, unauffällige Gelkissen für die Unterhosen von Fahrrad-Berufspendlern und ein Display für den Fahrradhelm sind nur einige der rund 200 Weltpremieren auf der 27. Eurobike, die noch bis Dienstag geöffnet ist.

Dieses Jahr ohne Publikumstag

Ausschließlich an Fachbesucher richtet sich die Eurobike vom 8. bis 10. Juli in diesem Jahr.  Sie dauert auch nur drei Tage – statt vier wie in den Vorjahren. Die Veranstalter rechnen mit rund 43 000 Besuchern. Die Eurobike 2019 rückt dann zeitlich wieder nach hinten und wird von Mittwoch bis Samstag, 31. Juli bis 3. August 2019 stattfinden, dann wieder vier Tage lang und mit einem öffentlichen „Konsumentenfestival“ am letzten Messetag.  Weitere Informationen unter www.eurobike-show.de. kap

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Einheit und dann kommt ein schöner Text, der den Leser in den Aufmacher zieht.

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