Es sind die größten Änderungen der Deutschen Börse seit mehr als 20 Jahren. Doch die Schlagzeilen um den Abstieg der Commerzbank aus dem Deutschen Aktienindex (Dax) und den Aufstieg des Zahlungsdienstleisters Wirecard haben das Thema in den Hintergrund gedrängt:  Mit den neuen Regeln für die Börsensegmente M-Dax, Tec-Dax und S-Dax, mischt die Deutsche Börse die Titel kräftig durch.

Beim Dax bleibt derweil alles beim Alten. Die Neuregelungen haben mitunter auch Einfluss auf die Strategie von Privatanlegern und wohl auch darauf, wie sich verschiedene Aktien in Zukunft entwickeln werden. „Im Kern sind es drei Regelungen, die dafür sorgen, dass sich die sogenannten Nebenwerte-Indizes anders zusammensetzen“, sagt ein Sprecher der Deutschen Börse.

1. Regelung: Trennung aufgehoben

Die bisherige Trennung von klassischen und Technologie-Aktien wird aufgehoben. Tech-Aktien werden wie bisher im Tec-Dax notiert. Sie können aber gleichzeitig auch Mitglied im M-Dax und im S-Dax sein. Sie werden also doppelt gelistet.

2. Regelung: Gleichzeitig im Dax und im Tec-Dax

Tech-Unternehmen können zudem künftig gleichzeitig im Dax und im Tec-Dax notiert sein. Stand der Tec-Dax bisher für kleine, wachstumsstarke Technologiewerte, so prägen ihn von heute an eine handvoll Großkonzerne. Dort sind nun die Dax-Schwergewichte Telekom, und SAP Infineon vertreten. Gemeinsam mit dem Dax-Neuling Wirecard stehen sie nach Berechnungen des Stuttgarter Bankhauses Ellwanger & Geiger für rund 40 Prozent des Tec-Dax.

3. Regelung: M-Dax wird aufgestockt

Und zwar von bisher 50 auf nun 60 Werte. Er zeigt die Entwicklung der 60 größten Unternehmen, die hinsichtlich Marktkapitalisierung und Orderbuchumsatz hinter den 30 Dax-Konzernen rangieren. Nach den gleichen Kriterien werden die künftig 70 Plätze im S-Dax vergeben.

Mit diesen Änderungen folgt die Deutsche Börse der Wall Street. In den USA sind Doppellistungen schon länger üblich.

„Positive Kurseffekte“ erwartet

„Es war Zeit für diese Anpassung, insbesondere in der Technologiebranche“, sagt der Kaufbeurer Vermögensverwalter Ingo Schweitzer von der AnCeKa AG. „Von den Veränderungen werden Aktienwerte, die in zwei Indizes gelistet sind, besonders profitieren“, sagt Anton Vetter, Vermögensverwalter aus Kempten. Denn Fonds, die diese Aktienindizes direkt abbilden, sind gezwungen solche Titel zu kaufen.

Zudem profitieren alle Werte, die Mitglied eines Indexes sind, von einer höheren medialen Aufmerksamkeit. „In aller Regel steigt die Nachfrage bei einem Aufstieg in einen Aktienindex an und sorgt für positive Kurseffekte“, erläutert Schweitzer. Auch Großinvestoren wie Investmentbanken, Versicherungen und Hedgefonds orientieren sich an den Börsenbarometern. Privatanleger können dies über die kostengünstigen Indexfonds (ETF) tun. Umgekehrt gilt für Index-Absteiger, dass die Kurse nachgeben.

Vorteile für Privatanleger

Sprunghafte Änderungen sollten Privatanleger aber nicht erwarten. Großanleger wie Investmentbanken und Hedgefonds haben sich auf die neue Zusammensetzung schon vorbereitet. Für Privatanleger bietet die Indexumstellung dennoch Vorteile, sagt Vetter. „Werte, die einem  Börsenbarometer angehören,  können in der Regel schnell gekauft oder verkauft werden, weil genug angeboten oder nachgefragt wird.“ Anleger, die Indizes wie den M-Dax oder S-Dax über ETFs im Depot abbilden, könnten von der breiteren Streuung profitieren, was langfristige Renditevorteile bringen kann, meint Vetter.

Allerdings sollten Anleger, die sowohl ETFs vom Dax als auch vom Tec-Dax haben, prüfen, ob nicht ein Klumpenrisiko besteht. Die Doppellistung der Technologieaktien kann nach den Worten Vetters dazu führen, dass ein relativ großer Teil des Vermögens vom Erfolg weniger Unternehmen  abhängt.

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